Finanz­re­ser­ven der Kran­ken­kas­sen stei­gen auf 17,5 Mrd. Euro

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Finanz­re­ser­ven der Kran­ken­kas­sen stei­gen auf 17,5 Mrd. Euro

Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen haben im 1. Halb­jahr des Jah­res 2017 einen Über­schuss von rund 1,41 Mil­li­ar­den Euro erzielt.

Der Über­schuss des 1. Quar­tals in Höhe von 612 Mil­lio­nen Euro hat sich somit mehr als ver­dop­pelt. Damit stei­gen die Finanz­re­ser­ven der Kran­ken­kas­sen bis Mit­te 2017 – bei einem sta­bi­len durch­schnitt­li­chen Zusatz­bei­trags­satz von 1,1 Pro­zent – auf rund 17,5 Mil­li­ar­den Euro.

Ein­nah­men in Höhe von rund 116,4 Mil­li­ar­den Euro stan­den Aus­ga­ben von rund 115 Mil­li­ar­den Euro gegen­über. Damit sind die Ein­nah­men der Kran­ken­kas­sen um 4,3 Pro­zent und die Aus­ga­ben ins­ge­samt um 3,7 Pro­zent gestie­gen.

2016 hat­ten die Kran­ken­kas­sen im 1. Halb­jahr einen Über­schuss von 598 Mil­lio­nen und im Gesamt­jahr von 1,62 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­wie­sen.

Auf Basis der Finanz­da­ten des 1. Halb­jahrs spricht alles dafür, dass die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen auch in der zwei­ten Jah­res­hälf­te ein deut­li­ches Plus erzie­len und sich die posi­ti­ve Finanz­ent­wick­lung der GKV bei wei­ter­hin güns­ti­ger Wirt­schafts- und Beschäf­ti­gungs­ent­wick­lung in die­sem und auch im kom­men­den Jahr fort­setzt. Mit­te Okto­ber wird sich der gemein­sa­me Schät­zer­kreis beim Bun­des­ver­si­che­rungs­amt mit der Aktua­li­sie­rung der Finanz­pro­gno­se für 2017 beschäf­ti­gen und erst­ma­lig eine Pro­gno­se der Ein­nah­men- und Aus­ga­ben­ent­wick­lung für 2018 erstel­len.

Nach Aus­wer­tung die­ser Ergeb­nis­se wird das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit bis zum 1. Novem­ber den durch­schnitt­li­chen Zusatz­bei­trags­satz für das Jahr 2018 fest­le­gen.

Finanz­ent­wick­lung nach Kran­ken­kas­sen­ar­ten

Alle Kas­sen­ar­ten konn­ten ihr Finanz­er­geb­nis im 1. Halb­jahr noch­mals deut­lich ver­bes­sern. Dabei ergibt sich fol­gen­des Bild: Die All­ge­mei­nen Orts­kran­ken­kas­sen (AOKen) ver­zeich­ne­ten einen Über­schuss von rund 650 Mil­lio­nen Euro (1. Quar­tal: 361 Mio. Euro), die Ersatz­kas­sen von 456 Mil­lio­nen Euro (1. Quar­tal: 155 Mio.
Euro), die Betriebs­kran­ken­kas­sen (BKKen) von 111 Mil­lio­nen Euro (1. Quar­tal: 27 Mio. Euro), die Innungs­kran­ken­kas­sen (IKKen) von 93Millionen Euro (1. Quar­tal 27Mio. Euro) und die Knapp­schaft-Bahn-
See von 101 Mil­lio­nen Euro (1. Quar­tal: 58 Mio. Euro). Ledig­lich die Land­wirt­schaft­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ver­buch­te einen Aus­ga­ben­über­hang von 1 Mil­li­on Euro (1. Quar­tal: -6 Mio. Euro).

Ergeb­nis des Gesund­heits­fonds

Der Gesund­heits­fonds, der zum Jah­res­en­de 2016 über eine Liqui­di­täts­re­ser­ve in einer Grö­ßen­ord­nung von rund 9,1Milliarden Euro ver­füg­te, ver­zeich­ne­te im 1. Halb­jahr 2017 einen sai­son­üb­li­chen Aus­ga­ben­über­hang von rund 3 Mil­li­ar­den Euro.

Aus die­sem sai­son­be­ding­ten Über­hang kön­nen kei­ne Rück­schlüs­se auf eine ähn­li­che Ent­wick­lung im wei­te­ren Jah­res­ver­lauf gezo­gen wer­den. Wäh­rend die Aus­ga­ben des Gesund­heits­fonds als monat­lich glei­che Zuwei­sun­gen an die Kran­ken­kas­sen flie­ßen, unter­lie­gen die Ein­nah­men unter­jäh­rig erheb­li­chen Schwan­kun­gen. Denn die Ein­nah­men aus der Ver­bei­tra­gung von Son­der­zah­lun­gen wie Weih­nachts- und Urlaubs­geld­zah­lun­gen flie­ßen dem Gesund­heits­fonds wei­test­ge­hend in der zwei­ten Jah­res­hälf­te zu. Hin­zu kom­men wei­te­re Zusatz­ein­nah­men aus den Ren­ten­an­pas­sun­gen zum 1. Juli 2017.

Mit einer äußerst güns­ti­gen Ent­wick­lung der Bei­trags­ein­nah­men des Gesund­heits­fonds bei einem Anstieg der bei­trags­pflich­ti­gen Ein­nah­men im 1. Halb­jahr von 4,7 Pro­zent pro­fi­tiert die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) wie die ande­ren 7 Sozi­al­ver­si­che­rungs­zwei­ge auch wei­ter­hin von der aus­ge­zeich­ne­ten Wirt­schafts­la­ge und einer posi­ti­ven Lohn- und Beschäf­ti­gungs­ent­wick­lung.

Damit lie­gen die Zuwachs­ra­ten bei den Ein­nah­men des Gesund­heits­fonds deut­lich über der Aus­ga­ben­ent­wick­lung der Kran­ken­kas­sen.

Deut­li­che Abfla­chung der Aus­ga­ben­ent­wick­lung

Trotz Umset­zung wich­ti­ger Ver­bes­se­run­gen, die in den Jah­ren 2015 und 2016 auf den­Weg gebracht wur­den, sank der abso­lu­te Aus­ga­ben­zu­wachs bei den Kran­ken­kas­sen im 1. Halb­jahr 2017 auf 3,6 Pro­zent. In den Mona­ten Janu­ar bis März lag der Aus­ga­ben­zu­wachs noch bei 3,9 Pro­zent. Im Gesamt­jahr 2016 lag er noch bei 4,2 Pro­zent, im Gesamt­jahr 2015 bei 4,3 Pro­zent und im Gesamt­jahr 2014 bei 5,7 Pro­zent. Die Aus­ga­ben­ent­wick­lung bleibt dabei sogar deut­lich unter den Pro­gno­sen des Schät­zer­krei­ses, der im Okto­ber ver­gan­ge­nen Jah­res mit einem abso­lu­ten Aus­ga­ben­zu­wachs in einer Grö­ßen­ord­nung von 4,9 Pro­zent gerech­net hat­te.

Bei deut­lich stei­gen­den Ver­si­cher­ten­zah­len von rund 1,2 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum­la­gen die Aus­ga­ben­zu­wäch­se je Ver­si­cher­ten im 1. Halb­jahr ledig­lich bei rund 2,4 Pro­zent.

Die Leis­tungs­aus­ga­ben stie­gen abso­lut um 3,7 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten um 2,5 Pro­zent), die Ver­wal­tungs­kos­ten ver­än­der­ten sich um 0,9 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten um -0,3 Pro­zent). Zur Abfla­chung der Aus­ga­ben­zu­wäch­se je Ver­si­cher­ten hat nach neue­ren Erkennt­nis­sen auch der Umstand bei­ge­tra­gen, dass die Neu­zu­gän­ge an Ver­si­cher­ten, die die GKV in jün­ge­rer Zeit ver­zeich­nen konn­te, im Schnitt nicht nur jün­ger sind, son­dern auch weni­ger Gesund­heits­leis­tun­gen in Anspruch neh­men als gleich­alt­ri­ge Bestands­ver­si­cher­te.

Ent­wick­lun­gen in den ein­zel­nen Leis­tungs­be­rei­chen

In fast allen grö­ße­ren Leis­tungs­be­rei­chen ist die Aus­ga­ben­ent­wick­lung mode­rat ver­lau­fen. Die Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben der Kran­ken­kas­sen sind im 1. Halb­jahr 2017 abso­lut um 3,2 Pro­zent und um 2,0 Pro­zent je Ver­si­cher­ten gestie­gen. Durch Rabatt­ver­ein­ba­run­gen mit phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mern wur­den die Kran­ken­kas­sen erneut deut­lich ent­las­tet. Die Rabat­ter­lö­se sind um rund 7,6 Pro­zent gegen­über dem 1. Halb­jahr 2016 auf rund 1,95 Mil­li­ar­den Euro gestie­gen. Zu der mode­ra­ten Ent­wick­lung hat auch ein erheb­li­cher Rück­gang der Aus­ga­ben für inno­va­ti­ve Arz­nei­mit­tel bei Hepa­ti­tis C gegen­über dem 1. Halb­jahr 2016 bei­ge­tra­gen. Im Bereich der ärzt­li­chen Behand­lung stie­gen die abso­lu­ten Aus­ga­ben im 1. Halb­jahr 2017 um rund 5,1 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten um rund 3,9 Pro­zent) an.

Bei den Aus­ga­ben für ärzt­li­che Behand­lung ist zu beach­ten, dass es ab die­sem Jahr bei eini­gen Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen auf Grund der sog. „Kon­ver­genz­re­gel“ zu höhe­ren Ver­gü­tun­gen kom­men wird, wobei wesent­li­che Ver­hand­lun­gen bis­lang noch nicht abge­schlos­sen sind. Die betrof­fe­nen Kran­ken­kas­sen sind jedoch gehal­ten, auch bei ihren Aus­ga­ben­schät­zun­gen in den Quar­tals­sta­tis­ti­ken hier­für bereits antei­li­ge Ver­pflich­tungs­bu­chun­gen ein­zu­stel­len. Ein erheb­li­cher Teil des Zuwach­ses ist auch auf Mehr­aus­ga­ben im Bereich der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ver­sor­gung zurück­zu­füh­ren, die abso­lut um knapp 18 Pro­zent gestie­gen sind. Bei den Aus­ga­ben für zahn­ärzt­li­che Behand­lung betrug der abso­lu­te Anstieg 3,9 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten 2,7 Pro­zent), beim Zahn­ersatz 1,0 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten minus 0,2 Pro­zent). Da bei den Kran­ken­kas­sen für das 1. Halb­jahr bei Ärz­ten und Zahn­ärz­ten noch kei­ne Abrech­nungs­da­ten der Kas­sen­ärzt­li­chen und Kas­sen­zahn­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen vor­lie­gen, haben die aus­ge­wie­se­nen Ver­än­de­rungs­ra­ten im wesent­li­chen Schätz­cha­rak­ter.

Die Aus­ga­ben für Kran­ken­haus­be­hand­lung stie­gen im 1. Halb­jahr 2017 abso­lut um 2,5 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten um 1,3 Pro­zent). Ins­ge­samt erhiel­ten die Kran­ken­häu­ser damit von den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen in den Mona­ten Janu­ar bis Juni rund 0,94 Mil­li­ar­den Euro höhe­re Finanz­mit­tel als im ent­spre­chen­den Vor­jah­res­zeit­raum. Hin­zu kom­men bereits ver­ein­bar­te Preis­stei­ge­run­gen (Lan­des­ba­sis­fall­wer­te), die in die­se Daten teils noch nicht bzw. nicht für alle Mona­te ein­flie­ßen konn­ten sowie wei­te­re Ver­bes­se­run­gen im Kran­ken­haus­be­reich.

Die Zuwäch­se beim Kran­ken­geld, die bis zum Jahr 2015 häu­fig zwei­stel­lig waren, ver­lau­fen mit einer Ver­än­de­rungs­ra­te von 5,0 Pro­zent (3,8 Pro­zent je Ver­si­cher­ten) ähn­lich wie bereits im Vor­jahr mode­rat. Über­pro­por­tio­na­le Zuwäch­se erge­ben sich mit einem abso­lu­ten Zuwachs von 6,6 Pro­zent bei den Aus­ga­ben für Heil­mit­tel. Hier sind deut­li­che Hono­rar­er­hö­hun­gen der Heil­mit­teler­brin­ger nach Inkraft­tre­ten des Heil/ und Hilfs­mit­tel­ver­sor­gungs­ge­set­zes ab dem 2. Quar­tal 2017 finanz­wirk­sam gewor­den. Der Anstieg bei den Aus­ga­ben für Hilfs­mit­tel (3,0 Pro­zent abso­lut) ist dem­ge­gen­über deut­lich nied­ri­ger. Bei der häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge ist nach vie­len Jah­ren mit zumeist zwei­stel­li­gen Zuwachs­ra­ten seit Anfang 2017 erst­mals ein deut­lich mode­ra­te­rer Anstieg von 6,6 Pro­zent (je Ver­si­cher­ten 5,3 Pro­zent) fest­zu­stel­len.

Hohe Zuwäch­se bei Prä­ven­ti­on sowie Hos­piz- und Pal­lia­tiv­ver­sor­gung Bei den Aus­ga­ben für Prä­ven­ti­ons­leis­tun­gen nach §§ 20 ff. SGB V ver­zeich­ne­ten die Kran­ken­kas­sen im 1. Halb­jahr 2017 gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum einen wei­te­ren abso­lu­ten Zuwachs von rund 12 Pro­zent, nach­dem in die­sem Bereich bereits 2016 ein Zuwachs von rund 46 Pro­zent erzielt wur­de. Die Aus­ga­ben für Leis­tun­gen zur pri­mä­ren Prä­ven­ti­on nach dem Indi­vi­du­al­an­satz gin­gen zwar im Ver­gleich zum Vor­jah­res­halb­jahr um 7 Pro­zent zurück, jedoch stie­gen die Aus­ga­ben für betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung um 24 Pro­zent und für die Prä­ven­ti­on in nicht­be­trieb­li­chen Lebens­wel­ten sogar um 34 Pro­zent.

Die wei­ter­hin erfreu­li­che Ent­wick­lung gera­de in den betrieb­li­chen und nicht-betrieb­li­chen Lebens­wel­ten, also in den Berei­chen, in denen wich­ti­ge Wei­chen­stel­lun­gen für ein gesund­heits­be­wuss­tes Leben vor­ge­nom­men wer­den kön­nen (z.B. in Kitas, Schu­len und Betrie­ben), ist auf das Prä­ven­ti­ons­ge­setz zurück­zu­füh­ren. Mit den Rege­lun­gen die­ses Geset­zes wur­den die Kran­ken­kas­sen ab 2016 ver­pflich­tet, ihr bis­her sehr gerin­ges Enga­ge­ment in den Lebens­wel­ten deut­lich aus­zu­bau­en. Nach den sehr hohen Zuwäch­sen im ver­gan­ge­nen Jahr setzt sich die erfreu­li­che Ent­wick­lung in 2017 fort. Nach den Halb­jah­res­wer­ten spricht alles dafür, dass die gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen Aus­ga­ben-Soll­wer­te von min­des­tens 2 Euro je Ver­si­cher­ten für die Gesund­heits­för­de­rung in betrieb­li­chen und nicht betrieb­li­chen Lebens­wel­ten in die­sem Jahr auch erreicht wer­den.

Bei der Hos­piz- und Pal­lia­tiv­ver­sor­gung haben die neu­en gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen eben­falls zu wesent­li­chen Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen bei­ge­tra­gen, die sich auch in deut­li­chen Aus­ga­ben­zu­wäch­sen bemerk­bar machen. So stie­gen ins­be­son­de­re die Aus­ga­ben für die spe­zia­li­sier­te ambu­lan­te Pal­lia­tiv­ver­sor­gung und die Zuschüs­se der Kran­ken­kas­sen für ambu­lan­te und sta­tio­nä­re Hos­pi­ze nach bereits hohen zwei­stel­li­gen Zuwachs­ra­ten im Vor­jahr noch­mals jeweils um rund 19 Pro­zent. Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr gab es in die­sen Berei­chen ver­gleich­bar hohe Zuwäch­se. Die Net­to-Ver­wal­tungs­kos­ten der
Kran­ken­kas­sen haben sich im 1.Halbjahr 2017 mit 0,9 Pro­zent ins­ge­samt nur gering­fü­gig erhöht und sind je Ver­si­cher­ten sogar um -0,3 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Vie­les spricht dafür, dass dabei auch Syn­er­gie­ef­fek­te
bei grö­ße­ren Kas­sen­fu­sio­nen eine Rol­le spie­len.

Bild © Jens Koep­pen

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