Hand­werk im Deut­schen Bun­des­tag – Bilanz im Über­blick

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28. Juni 2017

Hand­werk im Deut­schen Bun­des­tag – Bilanz im Über­blick

Bereits im Jahr 2006 wur­de die AG Hand­werk im Par­la­ments­kreis Mit­tel­stand der CDU/C­SU-Frak­ti­on unter dem Vor­sitz von Lena Stroth­mann gegrün­det. Ziel war – und ist es – die Abge­ord­ne­ten mit Hand­werk­s­hin­ter­grund im Deut­schen Bun­des­tag zu ver­net­zen und den hand­werks­po­li­ti­schen The­men inner­halb des Par­la­ments ein stär­ke­res Gewicht zu geben.

Auch ich bin Mit­glied im Vor­stand des Par­la­ments­krei­ses Mit­tel­stand und in der AG Hand­werk. Gern stel­le ich Ihnen daher hier in einem kur­zen Über­blick eini­ge hand­werks­po­li­ti­sche Erfol­ge der 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode zur Ver­fü­gung.

All­ge­mei­nes

Antrag zum Erhalt des Meis­ter­briefs

Die CDU/CSU Frak­ti­on hat 2014 in einem gemein­sa­men Antrag mit der SPD mit dem Titel ‚Der deut­sche Meis­ter­brief – Erfolg­rei­che Unter­neh­mer­qua­li­fi­zie­rung, Basis für hand­werk­li­che Qua­li­tät und beson­de­re Bedeu­tung für die dua­le Aus­bil­dung‘ (Druck­sa­che 18/3317) die Bedeu­tung des Meis­ters als Garant für die Qua­li­tät des deut­schen Hand­werks und eine erfolg­rei­che Aus- und Wei­ter­bil­dung her­aus­ge­stellt.

Aus­zug des Antrags zum Meis­ter­brief:
Der Deut­sche Bun­des­tag stellt fest: Das deut­sche Hand­werk bil­det mit rund einer Mil­li­on Betrie­ben und mehr als 5,3 Mil­lio­nen Erwerbs­tä­ti­gen eine tra­gen­de Säu­le des deut­schen Mit­tel­stan­des. Das Hand­werk ist hoch inno­va­tiv, regio­nal ver­an­kert und erschließt sich durch sei­ne leis­tungs­fä­hi­gen Betrie­be auch erfolg­reich neue Märk­te auf euro­päi­scher und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne. In über 130 Gewer­ken bil­den Hand­werks­be­trie­be rund 400.000 jun­ge Men­schen aus. Jähr­lich wer­den rund 120.000 neue Aus­bil­dungs­ver­trä­ge geschlos­sen. (…) Mit die­ser Aus­bil­dungs­leis­tung zeigt sich das Hand­werk auch für die mit 7,8 Pro­zent gerings­te Jugend­ar­beits­lo­sig­keit Deutsch­lands in Euro­pa in hohem Maße mit ver­ant­wort­lich (Quel­le: Euro­stat Juli 2014).

Sub­si­dia­ri­täts­rü­ge und Ent­schlie­ßungs­an­trag zum Dienst­leis­tungs­pa­ket der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on 

Die EU-Kom­mis­si­on hat am 10. Janu­ar 2017 ein Dienst­leis­tungs­pa­ket vor­ge­legt, mit dem sie ihre Bin­nen­markt­stra­te­gie umset­zen will. Es umfasst drei Richt­li­ni­en­vor­schlä­ge:

• Für eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung für den Erlass neu­er Berufs­re­gle­men­tie­run­gen
• Für eine Fest­le­gung eines Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­rens
• Für die Ein­füh­rung einer Elek­tro­ni­schen Euro­päi­schen Dienst­leis­tungs­kar­te

Die geplan­ten Maß­nah­men schie­ßen weit über das Ziel hin­aus, ver­let­zen die Grund­sät­ze der Sub­si­dia­ri­tät und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des EU-Ver­trags und wür­den sich nach­tei­lig für Deutsch­land und das Hand­werk aus­wir­ken. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on legt damit durch die Hin­ter­tür die Axt an den Meis­ter. Daher haben wir mit dem Deut­schen Bun­des­tag am 9. März 2017 mit einer Sub­si­dia­ri­täts­rü­ge an die EU-Kom­mis­si­on zur Ver­ein­bar­keit der Maß­nah­men des Dienst­leis­tungs­pa­kets mit den Grund­sät­zen der Sub­si­dia­ri­tät und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit posi­tio­niert (Bun­des­tags­druck­sa­che 18/11442) und fest­ge­stellt, dass

• der Vor­schlag der EU-Kom­mis­si­on für eine Richt­li­nie zum Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren die Grund­sät­ze der Sub­si­dia­ri­tät und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gemäß Arti­kel 6 des Pro­to­kolls Nr. 2 zum Ver­trag von Lis­sa­bon ver­letzt;
• der Vor­schlag der EU-Kom­mis­si­on für eine Richt­li­nie über die Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ver­letzt die Grund­sät­ze der Sub­si­dia­ri­tät und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gemäß Arti­kel 6 des Pro­to­kolls Nr. 2 zum Ver­trag von Lis­sa­bon ver­letzt;
• die Richt­li­nie und die Ver­ord­nung zur Euro­päi­schen Elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tungs­kar­te Fra­gen im Hin­blick auf ihre Ver­ein­bar­keit mit dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit auf­wer­fen.
Frank­reich und Öster­reich haben eben­falls Sub­si­dia­ri­täts­rü­gen erho­ben. Das reicht jedoch nicht für die erfor­der­li­chen Mehr­hei­ten, um das Dienst­leis­tungs­pa­ket abzu­leh­nen. Da Brüs­sel bis­lang kaum auf die Kri­tik aus Deutsch­land reagiert hat, haben wir wei­te­re poli­ti­sche Maß­nah­men ergrif­fen und einen Ent­schlie­ßungs­an­trag der AG Wirt­schaft zum Dienst­leis­tungs­pa­ket ver­ab­schie­det (kom­men­de Sit­zungs­wo­che am 16. Mai 2017).

Know-how Trans­fer mit den Hand­werks­ju­nio­ren

Mit dem Know-how Trans­fer mit den Hand­werks­ju­nio­ren haben wir eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Brü­cke zwi­schen jun­gen Hand­werks­un­ter­neh­mern und der Poli­tik geschaf­fen. Der Aus­tausch hat sich als bewähr­tes For­mat und Per­spek­tiv­wech­sel der Junio­ren des Hand­werks und der Poli­tik eta­bliert, bei dem hand­werks­po­li­ti­sche The­men aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln dis­ku­tiert wer­den. Nur im Dia­log kann gute Poli­tik für erfolg­rei­che Wirt­schaft ent­ste­hen!

Wirt­schaft

• Die Uni­on hat sich erfolg­reich für die Anhe­bung der Wert­gren­ze für soge­nann­te Gering­wer­ti­ge Wirt­schafts­gü­ter (GWG) ein­ge­setzt, nach­dem es hier über 50 Jah­re kei­ne Infla­ti­ons­an­pas­sung gab. Die Uni­on hat eine Erhö­hung auf 1000 Euro gefor­dert und konn­te sich mit dem Koali­ti­ons­part­ner schließ­lich auf eine Anpas­sung von 420 auf 800 Euro eini­gen.

Mit der Anhe­bung des Schwel­len­werts für die Sofort­ab­schrei­bung, ent­fal­len künf­tig für vie­le Wirt­schafts­gü­ter Auf­zeich­nungs­pflich­ten. Dies befreit gera­de klei­ne hand­werk­li­che Unter­neh­men von unnö­ti­ger büro­kra­ti­scher Last und ver­kürzt den Pro­zess der Abrech­nung.

• Eine juris­ti­sche Anfech­tung des Geschäfts durch den Gläu­bi­ger eines in Insol­venz gera­te­nen Kun­den bei ver­ein­bar­ter Raten­zah­lung ist in Zukunft nicht mehr ohne wei­te­res mög­lich. Wer Raten als Zah­lungs­er­leich­te­rung gibt, steht damit nicht mehr unter dem Gene­ral­ver­dacht, von den Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten des Kun­den gewusst zu haben. Die Frist einer mög­li­chen Anfech­tung wur­de von zehn auf vier Jah­re ver­kürzt. Für eine Ankla­ge muss in Zukunft ein Beweis vor­lie­gen, dass der Hand­wer­ker von den Eng­päs­sen des Kun­den wuss­te. Die Uni­on hat sich für die Schlie­ßung die­ser recht­li­chen Lücken ein­ge­setzt.

• Durch die Büro­kra­tie­ent­las­tungs­ge­set­ze I und II erfül­len die Koali­ti­ons­par­tei­en ihr Ver­spre­chen aus dem Koali­ti­ons­ver­trag, unnö­ti­gen und teu­ren büro­kra­ti­schen Auf­wand abzu­bau­en. Wirk­sa­me Ent­las­tun­gen, gera­de für das Hand­werk, wer­den im Zwei­ten Büro­kra­tie­ent­las­tungs­ge­setz unter ande­rem durch eine ver­ein­fach­te Berech­nung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge mög­lich: Statt wie bis­her am Ende eines Monats die ver­mut­li­che Bei­trags­hö­he der fäl­li­gen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge des lau­fen­den Monats abzu­schät­zen und dann im nächs­ten Monat den Betrag zu kor­ri­gie­ren, sol­len Unter­neh­men künf­tig ein­fach den Vor­mo­nats­wert ange­ben dür­fen. Zudem ist das Steu­er­recht bei Rech­nun­gen für Klein­be­trä­ge und Lohn­steu­er­an­mel­dun­gen deut­lich ver­ein­facht wor­den. Mit Inkraft­tre­ten der Rege­lung wer­den Hand­wer­ker kei­ne umfang­rei­chen Anga­ben bei klei­nen Beträ­gen von bis zu 200 Euro, anstatt wie bis­her bis zu 150 Euro, machen müs­sen. Auf Wir­ken der Uni­on hin ist es in Zukunft außer­dem nicht mehr vor­ge­schrie­ben, die Lie­fer­schei­ne für das Finanz­amt auf­zu­be­wah­ren, wenn die dazu­ge­hö­ri­ge Rech­nung vor­liegt. Zu guter Letzt muss der Arbeit­ge­ber für Mit­ar­bei­ter, die maxi­mal an 18 zusam­men­hän­gen­den Arbeits­ta­gen beschäf­tigt wer­den, pau­schal nur 25 Pro­zent Lohn­steu­ern bezah­len. Allein die umfas­sen­den Neue­run­gen des Büro­kra­tie­ent­las­tungs­ge­set­zes II sol­len der Wirt­schaft jähr­lich Kos­ten in Höhe von 363 Mio. Euro erspa­ren.

Arbeits- und Sozi­al­po­li­tik

• Seit 2016 ist die fle­xi­ble Ren­te (kurz Fle­xi­ren­te) Garant für einen indi­vi­du­el­len und unkom­pli­zier­ten Über­gang zur Ren­te. Wer sein Berufs­le­ben in Zukunft nicht ab einer bestimm­ten Alters­gren­ze been­den will und zudem sei­ne Ren­te auf­sto­cken möch­te, kann das dank der Fle­xi­ren­te pro­blem­los tun.

• Der Min­dest­lohn sichert fai­re und glei­che Bezah­lung in ganz Deutsch­land. Damit sich die­se Neue­rung aber auch für klei­ne Betrie­be rech­net, hat sich die Uni­on dafür ein­ge­setzt, unnö­ti­ge büro­kra­ti­sche Kos­ten abzu­schaf­fen. Das ist uns mit der Locke­rung der Doku­men­ta­ti­ons­pflicht auch gelun­gen.

• Mit der Reform des Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes, die seit dem 1. April 2017 gel­ten­des Recht ist, haben wir für die rund 3 Mil­li­on Leih- und Werk­ar­bei­ter fai­re Arbeits­be­din­gun­gen geschaf­fen. Wer 18 Mona­te in einem Betrieb arbei­tet, muss von die­sem über­nom­men wer­den. Ab dem neun­ten Monat muss einem Leih­ar­bei­ter der glei­che Lohn wie der Stamm­be­leg­schaft gezahlt wer­den.

Bil­dung

• Zusam­men mit Ver­tre­tern der Wirt­schaft und den Gewerk­schaf­ten setzt sich der Bund seit 2014 mit der „Alli­anz für Aus- und Wei­ter­bil­dung“ inten­siv für die Zukunft jun­ger Men­schen und des Hand­werks ein.

• Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung hat die Gleich­stel­lung des Meis­ters mit einem Hoch­schul­ab­schluss durch­ge­setzt. Mit der Novel­le des Auf­stiegs­fort­bil­dungs­för­de­rungs­ge­set­zes (AFBG) haben wir außer­dem noch bes­se­re Fort­bil­dungs­mög­lich­kei­ten für Bache­lor­ab­sol­ven­ten, die einen Meis­ter machen wol­len und durch Bafög geför­dert wer­den möch­ten, geschaf­fen. Den maxi­ma­len Maß­nah­men­bei­trag für Lehr­gang- und Prü­fungs­kos­ten haben wir von 10.226 Euro auf 15.000 Euro ange­ho­ben.

• Die Arbeits­för­de­rung der Assis­tier­ten Aus­bil­dung soll ins­be­son­de­re benach­tei­lig­ten, jun­gen Men­schen hel­fen, eine Aus­bil­dung erfolg­reich abzu­schlie­ßen und damit in das Berufs­le­ben ein­tre­ten zu kön­nen. Allein im Jahr 2015 wur­den über 5000 Aus­bil­dungs­plät­ze für die­ses Pro­gramm orga­ni­siert und bereit­ge­stellt.

Recht

Die Uni­on hat sich mit dem neu­en Bau­ver­trags­recht und der damit ver­bun­de­nen Män­gel­ge­währ­leis­tung inten­siv für die Inter­es­sen des Hand­werks ein­ge­setzt. Wird man­gel­haf­te Ware ver­kauft, ver­ar­bei­tet und muss sie beim Ver­brau­cher wie­der aus­ge­baut wer­den, bleibt der Hand­wer­ker in Zukunft nicht mehr auf dem finan­zi­el­len Scha­den sit­zen und kann selbst ent­schei­den, ob er oder der Händ­ler den Man­gel behebt. Zudem konn­ten wir den Anwen­dungs­be­reich vom Ein- und Aus­bau auf das Anbrin­gen von Mate­ria­li­en erwei­tern.

Finan­zen und Steu­ern

• Mit der seit 2016 gel­ten­den Erb­schafts­steu­er haben Betrie­be end­lich Rechts­si­cher­heit bei der Über­ga­be ihrer Geschäf­te an einen Erben. Danach müs­sen Hand­wer­ker auch in Zukunft kei­ne Steu­er auf ihr Erbe zah­len, wenn sie maxi­mal fünf Beschäf­tig­te unter­hal­ten. Die Nach­weis­pflicht für die dau­er­haf­te Ein­stel­lung von Mit­ar­bei­tern fällt für das Hand­werk bei die­ser Betriebs­grö­ße weg.

• Der unfai­re Wett­be­werbs­vor­teil für kom­mu­na­le Betrie­be hat ein Ende. In Zukunft müs­sen auch Unter­neh­men der öffent­li­chen Hand in vol­lem Umfang Umsatz­steu­er zah­len, damit der Wett­be­werb fair bleibt.

Ver­kehr

Ein Fahr­ver­bot für Die­sel­fahr­zeu­ge ist für Hand­werks­un­ter­neh­men nicht hin­nehm­bar. Die Blaue Pla­ket­te, mit der Die­sel­fahr­zeu­ge mit der Abgas­norm 6 nicht mehr hät­ten durch die Stadt fah­ren dür­fen, hat die Uni­on ent­schie­den abge­lehnt und eine Ein­füh­rung ver­hin­dert.

Fami­lie

Bei der Fami­li­en­pfle­ge­zeit, die Ange­hö­ri­ge bei der Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf unter­stützt, haben wir die Schwel­len­wer­te der Betriebs­grö­ße für einen recht­li­chen Anspruch im Sin­ne der klei­nen Hand­werks­be­trie­be von 15 auf 25 Mit­ar­bei­ter ange­ho­ben.

Inte­gra­ti­on

Die CDU/C­SU-Frak­ti­on hat sich für die vom Hand­werk gefor­der­te Umset­zung der „3 plus 2“- Rege­lung ein­ge­setzt. Mit dem Beschluss kön­nen Men­schen mit gül­ti­gem Asyl­sta­tus in eine dua­le Aus­bil­dung gehen und bekom­men nach ihrem erfolg­rei­chen Abschluss eine zwei­jäh­ri­ge Arbeits­er­laub­nis. Die­se Rege­lung dient der Inte­gra­ti­on, Fach­kräf­te­si­che­rung und Pla­nungs­si­cher­heit der Betrie­be glei­cher­ma­ßen.

Quel­le: AG Hand­werk

Bild © Jens Koep­pen

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