Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Heb­am­men­ver­sor­gung und -ver­gü­tung

Poli­ti­scher Stamm­tisch mit Jens Koep­pen“ in Eich­horst
15. September 2017
Som­mer­tour-Stopps in Schwedt & Joa­chims­thal
18. September 2017

Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Heb­am­men­ver­sor­gung und -ver­gü­tung

Heb­am­men leis­ten einen wich­ti­gen und unver­zicht­ba­ren Bei­trag bei der Ver­sor­gung von Schwan­ge­ren, Müt­tern und Fami­li­en. Die Sicher­stel­lung einer flä­chen­de­cken­den Ver­sor­gung mit Heb­am­men­hil­fe und der Erhalt der Geburts­hil­fe durch frei­be­ruf­lich täti­ge Heb­am­men sind daher von beson­de­rer Bedeu­tung. Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode sehr inten­siv dar­an gear­bei­tet, ins­be­son­de­re die Lage der frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men
zu ver­bes­sern. Dabei wur­den die im Rah­men der inter­mi­nis­te­ri­el­len Arbeits­grup­pe (IMAG) Heb­am­men­hil­fe im Jahr 2013 erör­ter­ten The­men und Pro­ble­me umfäng­lich auf­ge­nom­men.

Ver­gü­tung der frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men

Die gesetz­li­chen Rege­lun­gen sehen vor, dass die Ein­zel­hei­ten der Ver­sor­gung mit Heb­am­men­hil­fe ein­schließ­lich der abrech­nungs­fä­hi­gen Leis­tun­gen, der Anfor­de­run­gen an die Qua­li­täts­si­che­rung sowie der Ver­gü­tung von Heb­am­men­leis­tun­gen vom GKV-Spit­zen­ver­band und den maß­geb­li­chen Berufs­ver­bän­den der Heb­am­men auf Bun­des­ebe­ne ver­trag­lich ver­ein­bart wer­den. Kommt eine Eini­gung nicht zustan­de, wird der Ver­trags­in­halt durch eine Schieds­stel­le fest­ge­setzt, die von jeder Ver­trags­par­tei ange­ru­fen wer­den kann.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind die Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­prä­mi­en für Heb­am­men, die frei­be­ruf­li­che Geburts­hil­fe anbie­ten, erheb­lich ange­stie­gen. Vor allem für Heb­am­men, die nur weni­ge Gebur­ten im Jahr betreu­en, stell­te dies eine gro­ße finan­zi­el­le Belas­tung dar, da in die­sem Fall die Kos­ten für die Haft­pflicht­prä­mie durch die Leis­tungs­ver­gü­tung nur schwer erwirt­schaf­tet wer­den konn­ten.

Um die Heb­am­men kurz­fris­tig finan­zi­ell zu ent­las­ten, wur­den daher mit dem Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Finanz­struk­tur und Qua­li­tät in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKVFQWG) im Jahr 2014 die Rege­lun­gen zur Heb­am­men­ver­gü­tung wei­ter­ent­wi­ckelt. Damit wur­den die gesetz­li­chen Grund­la­gen ver­bes­sert, um eine finan­zi­el­le Über­for­de­rung von Heb­am­men durch stei­gen­de Ver­si­che­rungs­prä­mi­en zu ver­mei­den.

Zusätz­lich zu den ohne­hin schon gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Ver­gü­tungs­an­pas­sun­gen bei Prä­mi­en­er­hö­hun­gen wur­de die Erhö­hung der Haft­pflicht­prä­mi­en zum 1. Juli 2014 durch einen zusätz­li­chen Ver­gü­tungs­zu­schlag auf Abrech­nungs­po­si­tio­nen für Geburts­hil­fe­leis­tun­gen abge­fe­dert, bei denen typi­scher­wei­se deut­lich weni­ger Gebur­ten als im Durch­schnitt betreut wer­den kön­nen. Dies sind geburts­hilf­li­che Beleg­heb­am­men­leis­tun­gen mit 1:1-Betreuung ohne Schicht­dienst sowie Geburts­hil­fe­leis­tun­gen bei Haus­ge­bur­ten oder in Geburts­häu­sern. Auf Grund­la­ge der durch das GKV-FQWG geän­der­ten Rechts­la­ge konn­ten sich der GKV-Spit­zen­ver­band und Heb­am­men­ver­bän­de in der Fol­ge auf eine deut­li­che Erhö­hung der Leis­tungs­ver­gü­tung eini­gen.

Für Geburts­hil­fe­leis­tun­gen seit dem 1. Juli 2015 erhal­ten Heb­am­men, die die not­wen­di­gen Qua­li­täts­an­for­de­run­gen erfül­len, zudem auf Antrag einen Sicher­stel­lungs­zu­schlag (§ 134a Fünf­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB V)). Er ist eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für den Erhalt einer flä­chen­de­cken­den Ver­sor­gung mit Heb­am­men­hil­fe. Durch den Sicher­stel­lungs­zu­schlag wer­den Prä­mi­en­stei­ge­run­gen bei der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung aus­ge­gli­chen und frei­be­ruf­lich täti­ge Heb­am­men, die Leis­tun­gen der Geburts­hil­fe erbrin­gen, dau­er­haft finan­zi­ell ent­las­tet.

Der Sicher­stel­lungs­zu­schlag wird seit Janu­ar 2016 aus­ge­zahlt und wur­de nach Infor­ma­ti­on des GKV-Spit­zen­ver­bands (Stand: 11. August 2017) inzwi­schen von über 2.600 frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men bean­tragt. Ins­ge­samt wur­den danach bereits rund 12,6 Mio. Euro an frei­be­ruf­li­che Heb­am­men aus­ge­zahlt. Der Sicher­stel­lungs­zu­schlag ist so kon­zi­piert, dass sich der Aus­zah­lungs­be­trag für die Heb­am­me, die Geburts­hil­fe anbie­ten, auto­ma­tisch erhöht, wenn die Haft­pflicht­prä­mie des Ver­si­che­rers für geburts­hilf­lich täti­ge Heb­am­men erhöht wird. So wur­de auch die letz­te Prä­mi­en­er­hö­hung zum 1. Juli 2016 auf­ge­fan­gen. Das Ver­fah­ren der Bean­tra­gung und Aus­zah­lung der Sicher­stel­lungs­zu­schlä­ge hat sich mitt­ler­wei­le eta­bliert und wird gut von den Heb­am­men ange­nom­men.

Ins­be­son­de­re auch mit Blick auf den Sicher­stel­lungs­zu­schlag erkennt auch Frau Susan­ne Steppat, Prä­si­di­ums­mit­glied des Deut­schen Heb­am­men­ver­bands (DHV) an, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter
Her­mann Grö­he in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode für die Geburts­hil­fe eini­ges her­aus­ge­holt habe (Säch­si­sche Zei­tung vom 8. Sep­tem­ber 2017).

Ent­schei­dung der Schieds­stel­le vom 5. Sep­tem­ber 2017

Nach­dem die Schieds­stel­le in ihrem Beschluss vom 24./25. Sep­tem­ber 2015 über­wie­gend Fra­gen des Sicher­stel­lungs­zu­schlags und der Qua­li­täts­si­che­rung ent­schie­den hat, soll­ten die wesent­li­chen Ver­gü­tungs­fra­gen zwi­schen GKV-Spit­zen­ver­band und Heb­am­men­ver­bän­den im Kon­sens gelöst wer­den.

Da sich die Ver­trags­par­tei­en auch nach lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen nicht auf die Höhe der Ver­gü­tungs­an­he­bun­gen und Ände­run­gen in der Struk­tur der Ver­gü­tung der Beleg­heb­am­men eini­gen konn­ten, hat der GKV-Spit­zen­ver­band im Febru­ar 2017 erneut die gemein­sa­me Schieds­stel­le ange­ru­fen. Ziel war die Fest­set­zung der noch offe­nen Tei­le des Heb­am­men­hil­fe­ver­tra­ges durch die Schieds­stel­le.

Die im Fal­le des Schei­terns von Ver­trags­ver­hand­lun­gen für die Fest­set­zung des Heb­am­men­hil­fe­ver­tra­ges zustän­di­ge Schieds­stel­le nach § 134a Absatz 4 SGB V setzt sich zusam­men aus drei unpar­tei­ischen Mit­glie­dern (Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jür­gen Papier (Vor­sit­zen­der), Prof. Dr. Robert Francke
und Bir­gitt Ben­der) sowie jeweils drei Ver­tre­tern der Heb­am­men­ver­bän­de und des GKV­Spit­zen­ver­ban­des. Die Ent­schei­dung erfolgt mit ein­fa­cher Stim­men­mehr­heit der anwe­sen­den Mit­glie­der.

Nach­dem zwei Ver­hand­lungs­ter­mi­ne vor der Schieds­stel­le erfolg­los blie­ben und auch ein erneu­ter Ver­such, im Rah­men der Ver­hand­lung am 5. Sep­tem­ber 2017 einen Kon­sens zu fin­den, geschei­tert ist, hat die Schieds­stel­le mehr­heit­lich für einen gemein­sa­men Antrag des Bun­des frei­be­ruf­li­cher Heb­am­men (BfHD) und des GKV-Spit­zen­ver­ban­des gestimmt, so dass der Heb­am­men­hil­fe­ver­trag  nun in der von GKV-Spit­zen­ver­band und BfHD in ihrem Antrag ent­hal­te­nen Fas­sung Wirk­sam­keit erlangt.

Der Antrag sieht fol­gen­de Kern­punk­te vor:

• Linea­re Anhe­bung der Ver­gü­tun­gen für die im Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis auf­ge­führ­ten Leis­tun­gen
um 17 % rück­wir­kend ab 15. Juli 2017
• Struk­tu­rel­le Ände­run­gen bei der Ver­gü­tung der Leis­tun­gen der Beleg­heb­am­men mit Wir­kung
ab 1. Janu­ar 2018:
• Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Dienst-Beleg­heb­am­men (Heb­am­men, die im Dienst- oder
Schicht­sys­tem arbei­ten) und Begleit-Beleg­heb­am­men (Heb­am­men, die Schwan­ge­re zur
geplan­ten Geburt ins Kran­ken­haus beglei­ten) mit unter­schied­li­chen Ver­gü­tungs­re­geln
• Fest­le­gung der 1:2-Betreuung als Regel­fall bei Dienst-Beleg­heb­am­men (d.h. Dienst-Beleg­heb­am­men
sol­len Leis­tun­gen bei höchs­tens zwei Ver­si­cher­ten zur glei­chen Zeit erbrin­gen
kön­nen). Unauf­schieb­ba­re Leis­tun­gen für eine wei­te­re Ver­si­cher­te kön­nen bis
zum Ein­tref­fen einer wei­te­ren Heb­am­me (z. B. aus dem Bereit­schafts­dienst) dar­über hin­aus
längs­tens für eine Stun­de abge­rech­net wer­den.
• Ver­kür­zung des Zeit­raums, der bei der Abrech­nungs­po­si­ti­on „Hil­fe bei der Geburt eines
Kin­des im Kran­ken­haus“ pau­schal abge­gol­ten wird (Pau­scha­le deckt statt bis­her bis zu
acht Stun­den vor der Geburt nur den Zeit­raum bis zu einer Stun­de vor der Geburt ab, für
die übri­gen Stun­den vor Geburt kön­nen nun­mehr zusätz­lich wei­te­re Posi­tio­nen abge­rech­net
wer­den, z. B. Hil­fe bei Wehen, CTG-Mes­sung, Abhö­ren der Herz­tö­ne des Babys)
• Ein­füh­rung neu­er Leis­tun­gen (z. B. drit­tes Vor­ge­spräch in der Schwan­ger­schaft, Ein­zel­un­ter­wei­sung
zur Geburts­vor­be­rei­tung (nicht nur Grup­pen­kur­se))
• Lauf­zeit des Ver­tra­ges bis 1. Juli 2020.

Der DHV hat den gemein­sa­men Antrag des BfHD und des GKV-Spit­zen­ver­ban­des gegen­über der Schieds­stel­le abge­lehnt.

Natur­ge­mäß wird die Ent­schei­dung der Schieds­stel­le von den Betei­lig­ten unter­schied­lich bewer­tet. Der GKV-Spit­zen­ver­band begrüßt die Ent­schei­dung als gutes Ergeb­nis und betont beson­ders die deut­li­che Anhe­bung der Leis­tungs­ver­gü­tung sowie die Mög­lich­keit der bes­se­ren und indi­vi­du­el­le­ren Betreu­ung der Schwan­ge­ren durch Beleg­heb­am­men, die durch die struk­tu­rel­len Ände­run­gen der Rege­lun­gen zu den Beleg­heb­am­men bewirkt wer­de. So füh­ren die neu­en Leis­tun­gen aus Sicht des GKV-Spit­zen­ver­ban­des zusam­men mit den Neu­struk­tu­rie­rungs­maß­nah­men für die per­sön­li­che­re Betreu­ung in der kli­ni­schen Geburts­hil­fe zu wei­te­ren Mehr­ein­nah­men der Heb­am­men über die 17 pro­zen­ti­ge Hono­rar­er­hö­hung hin­aus, die vom GKV-Spit­zen­ver­band auf bis zu 5 Pro­zent kal­ku­liert wer­den.

Der BfHD weist dar­auf hin, dass er sich am Mach­ba­ren ori­en­tiert und kei­ne Uto­pi­en ver­folgt habe und bewer­tet den Schieds­spruch ins­ge­samt posi­tiv. Er hebt her­vor, dass alle Heb­am­men eine höhe­re Ver­gü­tung erhal­ten und das Recht der gebä­ren­den Frau­en, eine weit­ge­hend indi­vi­du­el­le Betreu­ung zu erfah­ren, gestärkt wer­de. Von der Ver­gü­tungs­er­hö­hung von 17% wür­den nicht nur die außer­kli­nisch täti­gen Haus­ge­burts­heb­am­men und Heb­am­men in Geburts­häu­sern pro­fi­tie­ren, son­dern auch die Beleg­heb­am­men. Der BfHD geht davon aus, dass der Schieds­spruch durch die Ver­gü­tungs­er­hö­hung und die struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen mit der Mög­lich­keit, wei­te­re Leis­tun­gen abzu­rech­nen, ins­ge­samt bei Beleg­heb­am­men deut­li­che Mehr­ein­nah­men ermög­li­che.

Der DHV dage­gen kri­ti­siert die Ent­schei­dung der Schieds­stel­le, mit der aus sei­ner Sicht weit­rei­chen­den Ein­schnit­te in die Berufs­aus­übung von frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men beschlos­sen wor­den sei­en
und die gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die geburts­hilf­li­che Ver­sor­gung von Frau­en haben wer­de.

Aus Sicht des DHV hät­ten Beleg­heb­am­men ab 2018 Ein­schrän­kun­gen bei der Abrech­nung von Leis­tun­gen hin­zu­neh­men und es sei mit einem Aus­stieg von Beleg­heb­am­men aus der Geburts­hil­fe und damit mit Eng­päs­sen bei der Ver­sor­gung zu rech­nen. Auch sei die Grund­ver­gü­tung von Heb­am­men bis­her so gering, dass eine Erhö­hung um 17% zu wenig Wir­kung zei­ge.

Ins­ge­samt ist jedoch fest­zu­hal­ten, dass mit dem Schieds­spruch für vie­le Heb­am­men deut­li­che Ver­gü­tungs­er­hö­hun­gen erreicht wer­den kön­nen und eine indi­vi­du­el­le Betreu­ung der schwan­ge­ren Frau­en und Gebä­ren­den beför­dert wird.

Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Heb­am­men

Mit dem Gesetz zur Stär­kung der Ver­sor­gung in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-VSG) wur­de im Juli 2015 neben den Ver­bes­se­run­gen der Heb­am­men­ver­gü­tung auch gere­gelt, dass Kran­ken-und Pfle­ge­kas­sen in bestimm­ten Fäl­len kei­ne Regress­for­de­run­gen gegen­über frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men erhe­ben kön­nen.

Das soll dazu bei­tra­gen, die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en lang­fris­tig zu sta­bi­li­sie­ren, einen wei­te­ren Anstieg zu brem­sen und Heb­am­men finan­zi­ell zu ent­las­ten. Zugleich bleibt sicher­ge­stellt, dass ein durch einen Behand­lungs­feh­ler geschä­dig­tes Kind und sei­ne Fami­lie wei­ter­hin die erfor­der­li­che, ange­mes­se­ne Hil­fe und Unter­stüt­zung erhal­ten.

Auf Basis der geän­der­ten Geset­zes­la­ge haben sich der DHV und das Ver­si­che­rungs­kon­sor­ti­um um die Ver­si­che­rungs­kam­mer Bay­ern (VKB) im Juni 2017 auf eine vier­jäh­ri­ge Ver­län­ge­rung des Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trags bis Mit­te 2021 zu guten Kon­di­tio­nen geei­nigt. Die ver­ein­bar­ten Prä­mi­en­stei­ge­run­gen für Heb­am­men mit Geburts­hil­fe sind mode­rat (2018: 7 %, 2019: 6 %, 2020: 5 %) und es
ist eine erheb­li­che Anhe­bung der Deckungs­sum­me für Per­so­nen­schä­den auf ins­ge­samt 10 Mio. Euro vor­ge­se­hen.

Damit erhal­ten frei­be­ruf­lich in der Geburts­hil­fe täti­ge Heb­am­men Pla­nungs­si­cher­heit für die nächs­ten Jah­re und wer­den hin­sicht­lich der Gefahr einer per­sön­li­chen Haf­tung ent­las­tet.

Damit der Regress­ver­zicht sei­ne Wir­kung zukünf­tig ent­fal­ten kann, ist ins­be­son­de­re eine Ver­stän­di­gung zwi­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft und Kran­ken­kas­sen über die der­zeit in der Abwick­lung befind­li­chen Alt­fäl­le not­wen­dig. Hier sind die wei­te­ren Gesprä­che abzu­war­ten. Ein mög­li­cher Ver­gleich böte die Chan­ce einer erheb­li­chen Ent­las­tungs­wir­kung auf die wei­te­re Prä­mi­en­ent­wick­lung.

Heb­am­men­ver­sor­gung in den Kran­ken­häu­sern

Im Hin­blick auf das sta­tio­när-geburts­hilf­li­che Ver­sor­gungs­an­ge­bot ist her­vor­zu­he­ben, dass die Sicher­stel­lung der bedarfs­ge­rech­ten sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung im Rah­men der Kran­ken­haus­pla­nung allein den Län­dern obliegt. Die­se haben die Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te im sta­tio­nä­ren Bereich unter Berück­sich­ti­gung des unter­schied­li­chen Ver­sor­gungs­be­darfs ange­mes­sen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Im Kran­ken­haus­struk­tur­ge­setz (KHSG) hat der Gesetz­ge­ber dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G-BA) den Auf­trag erteilt, bun­des­ein­heit­li­che Kri­te­ri­en für die Ver­ein­ba­rung von Sicher­stel­lungs­zu­schlä­gen für Kran­ken­häu­ser zu ent­wi­ckeln (§ 136c Absatz 3 SBG V i. V. m. §17b Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (KHG)). Hier­von kön­nen auch sta­tio­när-geburts­hilf­li­che Ein­rich­tun­gen in struk­tur­schwa­chen Gebie­ten pro­fi­tie­ren. Sicher­stel­lungs­zu­schlä­ge kön­nen für Kran­ken­häu­ser ver­ein­bart wer­den, wenn die Vor­hal­tung der sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen des gesam­ten Kran­ken­hau­ses auf Grund des gerin­gen Ver­sor­gungs­be­darfs nicht kos­ten­de­ckend finan­zier­bar ist, die Leis­tun­gen aber zur Sicher­stel­lung der Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung not­wen­dig sind und nicht von einem ande­ren Kran­ken­haus in zumut­ba­rer Ent­fer­nung ohne Zuschlag erbracht wer­den kön­nen. Auf der Grund­la­ge des am 24. Novem­ber 2016 gefass­ten Beschlus­ses des G-BA kön­nen seit 2017 Sicher­stel­lungs­zu­schlä­ge von den Ver­trags­par­tei­en vor Ort ver­ein­bart wer­den. Hier­von wer­den vor­aus­sicht­lich ca. 70 Kran­ken­häu­ser pro­fi­tie­ren, sofern sie auf­grund des gerin­gen Ver­sor­gungs­be­darfs ein Defi­zit auf­wei­sen.

Zusätz­lich prüft eine Arbeits­grup­pe beim G-BA, ob eine beson­de­re Berück­sich­ti­gung von Geburts­hil­fe­ab­tei­lun­gen beim Sicher­stel­lungs­zu­schlag ange­zeigt ist.

Die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der Arbeits­be­din­gun­gen in der sta­tio­nä­ren Heb­am­men­ver­sor­gung ist ori­gi­nä­re Auf­ga­be der Kran­ken­häu­ser, die auch für eine Ver­bes­se­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für Heb­am­men Sor­ge zu tra­gen haben. Der Ein­satz von Per­so­nal und die Per­so­nal­pla­nung unter­lie­gen der Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der ein­zel­nen Kran­ken­häu­ser. Das BMG befin­det sich in engem Aus­tausch mit der DKG, um gemein­sam geeig­ne­te Maß­nah­men zur Sicher­stel­lung einer flä­chen­de­cken­den und aus­rei­chen­den Heb­am­men­ver­sor­gung in den Kran­ken­häu­sern zu prü­fen.

Ins­ge­samt lässt sich fest­stel­len, dass die Anzahl an in den Kran­ken­häu­sern fest­an­ge­stell­ten Hebammen/Entbindungspflegern nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes seit dem Jahr 1991 ste­tig ange­stie­gen ist, bei einem gleich­zei­ti­gen Rück­gang der Gebur­ten­zah­len. Erst seit 2011 kön­nen erfreu­li­cher­wei­se wie­der stei­gen­de Gebur­ten­zah­len ver­zeich­net wer­den. Somit ent­spra­chen die 737.575 Gebur­ten im Jahr 2015 in etwa dem Stand des Jah­res 2001. Bei in etwa glei­cher Gebur­ten­zahl hat sich die Anzahl an fest­an­ge­stell­ten Heb­am­men von 7.843 im Jahr 2001 auf 9.081 im Jahr 2015 um rund 16 Pro­zent erhöht. Dabei ist jedoch zu berück­sich­ti­gen, dass sich der Anteil an Teil­zeit­be­schäf­tig­ten deut­lich erhöht hat (wäh­rend im Jahr 2001 etwa 55 Pro­zent der fest­an­ge­stell­ten Heb­am­men in Teil­zeit tätig waren, betraf dies im Jahr 2015 rund 72 Pro­zent). Im glei­chen Zeit­raum ist zudem die Anzahl an Beleg­heb­am­men von 1.663 auf 1.838 um rund 10,5 Pro­zent gestie­gen. Die Anzahl der Voll­zeit­äqui­va­len­te der in den Kli­ni­ken beschäf­tig­ten Heb­am­men liegt seit 2012 kon­stant bei 6.000.

Die Finan­zie­rung von sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen der Geburts­hil­fe erfolgt durch Fall­pau­scha­len, wobei die Ver­gü­tun­gen auf Basis der von Kran­ken­häu­sern selbst gelie­fer­ten Kos­ten- und Leis­tungs­da­ten vom Insti­tut für das Ent­gelt­sys­tem im Kran­ken­haus (InEK) jähr­lich neu kal­ku­liert und kon­ti­nu­ier­lich wei­ter ent­wi­ckelt wer­den. Die auf­wands­ge­rech­te Ver­gü­tung sta­tio­nä­rer Leis­tun­gen der Geburts­hil­fe durch die pau­scha­lie­ren­den Ent­gel­te wird dadurch ste­tig ver­bes­sert. Für die erfolg­rei­che Wei­ter­ent­wick­lung des Fall­pau­scha­len­sys­tems und zur För­de­rung von des­sen Akzep­tanz erfolgt beim InEK die Ein­bin­dung exter­nen Sach­ver­stands in einem regel­haf­ten Ver­fah­ren. In dem dazu ein­ge­rich­te­ten Vor­schlags­ver­fah­ren kön­nen alle Betei­lig­ten ent­spre­chen­de Vor­schlä­ge ein­rei­chen.

Auch für den Ent­gelt­ka­ta­log für das Jahr 2017 hat das InEK Ver­bes­se­run­gen vor­ge­nom­men, so dass die­ser für den Bereich Schwan­ger­schaft, Geburt und Wochen­bett 25 Fall­pau­scha­len umfasst. Die Leis­tun­gen der in Kran­ken­häu­sern beschäf­tig­ten Heb­am­men sind dar­in ent­hal­ten.

Ver­bes­se­run­gen der Heb­am­men­ver­sor­gung durch das Prä­ven­ti­ons­ge­setz

Wei­te­re Ver­bes­se­run­gen hin­sicht­lich der Heb­am­men­ver­sor­gung wur­den mit dem am 25. Juli 2015 in Kraft getre­te­nen Prä­ven­ti­ons­ge­setz erreicht. So ist im Prä­ven­ti­ons­ge­setz gere­gelt, dass der Zeit­raum der Heb­am­men­hil­fe für die Wochen­bett­be­treu­ung vier Wochen län­ger als bis­her, also für zwölf Wochen, sicher­ge­stellt wird. Auf ärzt­li­che Anord­nung hin kann die Betreu­ung auch zusätz­lich ver­län­gert wer­den.

Daten­la­ge hin­sicht­lich der Heb­am­men­ver­sor­gung

Hin­sicht­lich der Daten­la­ge zur Heb­am­men­ver­sor­gung hat die Bun­des­re­gie­rung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­schie­de­ne Akti­vi­tä­ten unter­nom­men, um die Situa­ti­on zu ver­bes­sern. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit hat ein Gut­ach­ten zur Ver­sor­gungs- und Ver­gü­tungs­si­tua­ti­on in der Heb­am­men­hil­fe in Auf­trag gege­ben, das im Mai 2012 ver­öf­fent­licht wur­de. Es ermög­licht u.a. einen detail­lier­ten Blick in die Ver­sor­gungs­la­ge mit Heb­am­men­leis­tun­gen in Deutsch­land.

Im Rah­men der IMAG wur­de eine Aus­wei­tung der amt­li­chen Sta­tis­tik (KG 2) zur Erfas­sung der Gebur­ten nach dem Ort der Geburt ver­ein­bart. In Umset­zung die­ser Ver­ein­ba­rung wird nun die außer­kli­ni­sche
Geburt nach dem Ort der Geburt (Geburts­haus, Haus­ge­burt, ärzt­lich gelei­te­te Ein­rich­tung) sta­tis­tisch erfasst.

Zur genaue­ren Erfas­sung des Geburts­orts wur­de in der IMAG zudem eine Erwei­te­rung der Bevöl­ke­rungs­sta­tis­tik dis­ku­tiert. Die­se Idee ist man­gels aus­rei­chen­der Infor­ma­tio­nen der Mel­de- und Per­so­nen­stands­re­gis­ter zum Geburts­ort nicht rea­li­sier­bar. Im Nach­gang zur IMAG hat die Arbeits­ge­mein­schaft der obers­ten Lan­des­ge­sund­heits­be­hör­den (AOLG) geprüft, ob eine bun­des­wei­te Sta­tis­tik zur Heb­am­men­tä­tig­keit (inklu­si­ve Leis­tungs­spek­trum, regio­na­ler Ein­satz­ort und frei­be­ruf­lich ange­bo­te­ne Leis­tun­gen) erstellt wer­den kann. Die­ses Vor­ha­ben der AOLG konn­te jedoch man­gels Betei­li­gung aller Län­der an der dazu durch­ge­führ­ten Abfra­ge nicht rea­li­siert wer­den.

Zusätz­lich hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit ein Gut­ach­ten zu den Ursa­chen von Geburts­schä­den bei von frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men betreu­ten Gebur­ten in die Wege gelei­tet. Die­ses Gut­ach­ten wird sicher­lich wert­vol­le Erkennt­nis­se für die Qua­li­täts­si­che­rung in der Geburts­hil­fe lie­fern. Ergeb­nis­se wer­den vor­aus­sicht­lich Anfang des Jah­res 2018 vor­lie­gen.

Zudem wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass seit dem Berichts­jahr 2011 durch den Mikro­zen­sus Heb­am­men auch geson­dert aus­ge­wie­sen wer­den. Damit ist eine Dif­fe­ren­zie­rung der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se der Heb­am­men in Haupt- und Neben­er­werbs­tä­tig­keit sowie in selb­stän­di­ge und ange­stell­te Tätig­keit und nach durch­schnitt­li­cher Wochen­ar­beits­zeit (sowie Dif­fe­ren­zie­rung nach Teilzeit/Vollzeit) mög­lich.

Leit­li­ni­en­ent­wick­lung im Bereich der Geburts­hil­fe

Im Rah­men der IMAG wur­den u.a. auch ver­schie­de­ne For­schungs­be­dar­fe zum The­men­be­reich Geburts­hil­fe iden­ti­fi­ziert. Im Rah­men des Begleit­schrei­bens von Bun­des­mi­nis­ter Grö­he vom 29. April 2014 zur Ver­öf­fent­li­chung des Abschluss­be­richts der IMAG wur­de zur Ver­bes­se­rung der Qua­li­täts­si­che­rung ins­be­son­de­re die Erar­bei­tung einer hoch­wer­ti­gen inter­dis­zi­pli­nä­ren Leit­li­nie zur Geburts­hil­fe durch die Arbeits­ge­mein­schaft der Wis­sen­schaft­li­chen Medi­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaf­ten (AWMF) befür­wor­tet und dies­be­züg­lich eine Unter­stüt­zung durch das BMG zuge­sagt. Dabei wur­de in der Kon­zep­ti­ons­pha­se deut­lich, dass zwei getrenn­te Leit­li­ni­en erfor­der­lich sind: Zur vagi­na­len Geburt sowie zum Kai­ser­schnitt. Die aus dem Minis­ter­schrei­ben her­vor­ge­gan­ge­nen kon­kre­ten vier For­schungs­vor­ha­ben zur Aus­wer­tung des aktu­el­len For­schungs­stan­des zu Kai­ser­schnit­ten hat­ten ein Auf­trags­vo­lu­men von ins­ge­samt 150.000 Euro und wur­den Mit­te Janu­ar 2017 ver­öf­fent­licht. Die Ergeb­nis­se der Stu­di­en flie­ßen in eine inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie „Kai­ser­schnit­te“ ein, die der­zeit von den zustän­di­gen Fach­ge­sell­schaf­ten erar­bei­tet wird.

Eine den Fach­ge­sell­schaf­ten in Aus­sicht gestell­te Unter­stüt­zung des BMG hin­sicht­lich der Ent­wick­lung einer inter­dis­zi­pli­nä­ren S3-Leit­li­nie zur natür­li­chen Geburt erfolgt durch das Insti­tut für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im Gesund­heits­we­sen (IQWiG), das für zen­tra­le Fra­gen der Leit­li­nie aktu­ell die Ergeb­nis­se von ver­tief­ten Evi­denz­re­cher­chen auf­be­rei­tet. Die Ergeb­nis­se des Vor­ha­bens fin­den direkt Ein­gang in die Erstel­lung der inter­dis­zi­pli­nä­ren Leit­li­nie zur natür­li­chen Geburt durch die AWMF. Das für 24 Mona­te geplan­te Pro­jekt wur­de im Okto­ber 2016 begon­nen und wird mit Mit­teln des BMG finan­ziert.

Bild © Jens Koep­pen

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