Offe­ner Brief von Jens Koep­pen MdB

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Offe­ner Brief von Jens Koep­pen MdB

— Offe­ner Brief zu Ihrem Abstim­mungs­ver­hal­ten zur Kreis­ge­biets­re­form im Kreis­tag Ucker­mark —

Sehr geehr­ter Herr Kol­le­ge Bisch­off,

Sie haben sich ent­schie­den, am 04.10.2017 nicht an der Kreis­tags­sit­zung teil­zu­neh­men und somit auch dafür, Ihre Stim­me nicht für den Erhalt unse­res Land­krei­ses abzu­ge­ben, bzw. Ihre Posi­ti­on dort zu erklä­ren.

Viel­mehr trei­ben Sie – als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD-Frak­ti­on im Land­tag – die Reform in Pots­dam vor­an, gegen die drin­gen­den Emp­feh­lun­gen sämt­li­cher Exper­ten, gegen den Wil­len der Ein­woh­ner, gegen den Wil­len Ihrer eige­nen Par­tei­ba­sis und letzt­end­lich, auch ganz sicher, gegen bes­se­res Wis­sen. Des Wei­te­ren – so wur­de mir berich­tet – üben Sie im Auf­trag des Minis­ter­prä­si­den­ten mas­si­ven Druck auf frak­ti­ons­in­ter­ne „Abweich­ler“ in Ihrer Land­tags­frak­ti­on aus. Der Minis­ter­prä­si­dent droht dar­über hin­aus mit Neu­wah­len. Das ist unpar­la­men­ta­risch, abso­lut unver­ständ­lich und inak­zep­ta­bel.

Was spricht also für die Fusi­on der bis­he­ri­gen Land­krei­se zu unüber­sicht­li­chen Groß­ge­bil­den? Außer Schlag­wor­ten sind mir hier kei­ner­lei Ant­wor­ten bekannt! Fra­gen nach dem Nut­zen der Kreis­neu­glie­de­rung blei­ben schlicht­weg unbe­ant­wor­tet. Geg­ner, Kri­ti­ker oder ein­fach nur die Bür­ger mit Sor­gen und ein­fa­chen Fra­ge­stel­lun­gen wer­den als Nörg­ler und Zukunfts­ver­wei­ge­rer abge­stem­pelt. Statt Ant­wor­ten zu geben, reagiert die Lan­des­re­gie­rung nahe­zu trot­zig und unein­sich­tig auf die ein­hel­li­ge Skep­sis im gesam­ten Land. Selbst 130.000 Ein­tra­gun­gen der Volks­in­itia­ti­ve wer­den schlicht­weg igno­riert.

Wenn das Reform­vor­ha­ben so posi­tiv ist, wie Sie es im Land­tag Bran­den­burg dar­stel­len, war­um ist dann die Ableh­nung so mas­siv? Ver­su­chen Sie doch bit­te ein­mal die­ser Fra­ge ehr­lich nach­zu­ge­hen! Der gesam­te Kreis­tag Ucker­mark, also auch die Kreis­tags­mit­glie­der, die den regie­rungs­tra­gen­den Par­tei­en in Pots­dam ange­hö­ren, haben sich ein­stim­mig gegen das, was die Lan­des­re­gie­rung und auch die von Ihnen geführ­te Frak­ti­on mit unse­rem Kreis vor­ha­ben, aus­ge­spro­chen. Ein­stim­mig! Eine ähn­lich ein­deu­ti­ge Ableh­nung gab es mitt­ler­wei­le in allen Kreis­ta­gen, von zahl­rei­chen Bür­ger­meis­tern, vom Städ­te- und Gemein­de­bund, vom Land­kreis­tag, von den Indus­trie- und Han­dels­kam­mern, von den Hand­werks­kam­mern sowie von ver­schie­de­nen Unter­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen und den Min­der­hei­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen. Unzäh­li­ge Men­schen appel­lie­ren an Sie und die Lan­des­re­gie­rung – völ­lig unge­hört! Sie hin­ge­gen haben es trotz Ihrer aus­ge­spro­chen her­aus­ge­ho­be­nen Posi­ti­on im Land nicht ver­mocht, nur ein ein­zi­ges Kreis­tags­mit­glied in der Ucker­mark dafür zu gewin­nen, sich hin­ter Ihr Reform­vor­ha­ben zu stel­len. Spä­tes­tens das soll­te Sie zum Ein­len­ken bewe­gen.

Die vor­han­de­ne Hei­mat­lie­be der Bran­den­bur­ger und ihre regio­na­le Ver­bun­den­heit blei­ben bei Ihnen in Pots­dam offen­sicht­lich abso­lut unre­flek­tiert. Nur so kann die Fehl­ein­schät­zung Ihrer­seits erklärt wer­den. Der über­aus erfolg­rei­che Volks­ent­scheid und die gro­ße Betei­li­gung beim lau­fen­den Volks­be­geh­ren bele­gen das Vor­han­den­sein von Bei­dem jedoch ein­drucks­voll.

Angst und Sor­ge um Kran­ken­haus­stand­or­te, öffent­li­che Ver­kehrs­an­ge­bo­te zwi­schen den Orten in der Ucker­mark oder die zukünf­ti­ge Schul­ent­wick­lung, bestim­men die Dis­kus­sio­nen in unse­rer Regi­on. Gefor­dert wer­den kür­ze­re Wege statt wei­te­rer Kita- oder Schul­fahr­ten für die Kin­der. Auch der per­sön­li­che Auf­wand für den Bür­ger, um Anträ­ge abzu­stem­peln zu las­sen, Bau­an­trä­ge ein­zu­rei­chen, Kopi­en zu beglau­bi­gen, Aus­wei­se zu ver­län­gern oder ande­re simp­le Ver­wal­tungs­gän­ge zu erle­di­gen, droht sich deut­lich aus­zu­wei­ten.

Bes­ser als Ihre Par­tei haben die Men­schen ver­in­ner­licht, dass die Digi­ta­li­sie­rung und die neu­en Mög­lich­kei­ten von E-Government hel­fen kön­nen, Kos­ten zu redu­zie­ren, ohne dass unse­re regio­na­le Iden­ti­tät auf­ge­bro­chen wird. Die Men­schen mer­ken immer deut­li­cher die Ein­schrän­kun­gen durch das feh­len­de schnel­le Inter­net. Die Lan­des­re­gie­rung favo­ri­siert aber, anstatt den drin­gend benö­tig­ten Breit­band­aus­bau zu beschleu­ni­gen und hier zusätz­li­che Gel­der bereit­zu­stel­len, lie­ber die Auf­lö­sung der Kreis­struk­tu­ren -mit Kos­ten von weit über einer hal­ben Mil­li­ar­de Euro.

Ein gro­ßer Gewinn für effi­zi­en­tes Ver­wal­tungs­han­deln im gesam­ten Land Bran­den­burg wäre statt­des­sen, die ernst­haf­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem, was an E-Government-Fort­schrit­ten in den kom­men­den Jah­ren in Deutsch­land ange­dacht ist. Die Ein­rich­tung von Bür­ger­kon­ten wird das Ver­wal­tungs­han­deln aller Ebe­nen bes­ser ver­net­zen und effek­ti­ver machen, ohne dass bekann­te und durch­aus bewähr­te Struk­tu­ren zer­schla­gen wer­den.

Es ist mehr kom­mu­na­le Selbst­be­stim­mung not­wen­dig, als weni­ger! Auf­ga­ben, die die kom­mu­na­le Ebe­ne selbst erle­di­gen kann, soll sie auch erle­di­gen dür­fen. Schul­ver­wal­tung, Poli­zei oder auch die KFZ-Zulas­sungs­stel­le gehö­ren in die Nähe der Bür­ger. Die Zen­tra­li­sie­rung, wie sie bei der Schul­ver­wal­tungs­re­form erfolg­te, muss doch auch Ihnen ein Warn­si­gnal sein. Schon hier ist die Lan­des­re­gie­rung mit die­sem Ansatz im Ergeb­nis kläg­lich geschei­tert.

Ich kann abschlie­ßend nur ein­dring­lich an Sie als Ucker­mär­ker und Schwed­ter appel­lie­ren: Bit­te nut­zen Sie Ihre her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on in Pots­dam, um ehr­li­che Lösun­gen für unse­re Regi­on, ins­be­son­de­re für die Ucker­mark und den Bar­nim, aber auch das gesam­te Land zu erstrei­ten, anstatt an der uner­klär­ba­ren, teu­ren, unnüt­zen und unge­woll­ten Kreis­ge­biets­re­form fest­zu­hal­ten und so die Bür­ger wei­ter zu ver­un­si­chern.

Mit bes­ten Grü­ßen

Jens Koep­pen MdB

 

 

Bild © Jens Koep­pen

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