Rede im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges

Rede im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges
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Rede im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges

Rede im Ple­num des Deut­schen Bun­des­ta­ges am 25.04.2018 zur Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik.

Gern stel­le ich Ihnen hier mei­nen Rede­bei­trag zur Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik noch ein­mal als Video und auch als Aus­zug aus dem Ple­nar­pro­to­koll zur Ver­fü­gung.

Aus­zug aus dem Ple­nar­pro­to­koll: 

Jens Koep­pen (CDU/CSU):

Vie­len Dank, Frau Prä­si­den­tin. – Lie­be Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen! Es ist schon eine sehr ein­sei­ti­ge und auch gewag­te Aus­sa­ge, lie­be Frau Kol­le­gin Nest­le, dass Deutsch­land sich nicht zum Kli­ma­schutz beken­ne

bzw. dass wir uns nicht zu unse­ren Kli­ma­schutz­maß­nah­men beken­nen wür­den.

(Ingrid Nest­le (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Moment, das habe ich nicht gesagt! Beken­nen, ja! Aber Sie machen nichts! – Oli­ver Kri­scher (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die beken­nen sich den gan­zen Tag! Die tun nur nichts! – Gegen­ruf der Abg. Dr. Anja Weis­ger­ber (CDU/CSU): Stimmt ja nicht!)

Dabei wis­sen Sie doch ganz genau, wie kom­plex die Mate­rie ist. Sie wis­sen auch genau, dass wir schon seit 1990 nahe­zu 30 Pro­zent der CO2-Emis­sio­nen redu­ziert haben,

(Wider­spruch bei der LINKEN)

und das in einem Indus­trie­land, in einem Wohl­stands­land, in einem Land, wo Arbeits­plät­ze jetzt schon rar sind. Das ist doch eine Leis­tung, auf die wir uns beru­fen kön­nen.

Wir haben doch sehr vie­le Maß­nah­men ergrif­fen. Sie alle ken­nen sie: das EEG, das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Wär­me­ge­setz, die KWK-Gesetz­ge­bung, die EnEV, das CO2-Gebäu­de­sa­nie­rungs­pro­gramm, das Kli­ma­schutz­kon­zept Stra­ßen­ver­kehr, der Natio­na­le Akti­ons­plan Ener­gie­ef­fi­zi­enz und, und, und. Das wich­tigs­te Instru­ment ist für mich In der Tat – es wur­de ja ange­spro­chen -, der euro­päi­sche Emis­si­ons­han­del; denn er ori­en­tiert sich am Markt, und er ist tech­no­lo­gie­of­fen, und er hat bis jetzt auch die bes­ten Ergeb­nis­se gebracht. Des­we­gen sagen wir: Kli­ma­po­li­tik muss euro­pä­isch gere­gelt wer­den,

(Bei­fall bei der CDU/CSU sowie bei Abge­ord­ne­ten der FDP)

muss euro­pä­isch gedacht wer­den und gemacht wer­den. Aktio­nis­mus und natio­na­le Allein­gän­ge hel­fen dem Kli­ma nicht; das wis­sen Sie auch. Und wenn sie auch noch so gut gemeint sind: Sie sind wir­kungs­los, sie scha­den der Volks­wirt­schaft, und vor allen Din­gen geht die Akzep­tanz bei den Men­schen mit höhe­ren Prei­sen als Fol­ge von Kli­ma­schutz­maß­nah­men ver­lo­ren.

(Bei­fall bei der CDU/CSU)

In der Tat kann aber ein CO2-Beprei­sungs­sys­tem, wenn es mög­lichst glo­bal aus­ge­rich­tet ist, markt­wirt­schaft­lich und effi­zi­ent sein. Der Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung hat in sei­nem letz­ten Jah­res­gut­ach­ten dazu ein­deu­tig Stel­lung bezo­gen – Zitat -:

Dar­über hin­aus ist es volks­wirt­schaft­lich inef­fi­zi­ent, zunächst die glo­ba­len Kli­ma­zie­le auf natio­na­ler Ebe­ne auf­zu­tei­len und dann mit nicht inter­na­tio­nal abge­stimm­ten Maß­nah­men umzu­set­zen.

Und wei­ter:

So könn­te die Ein­füh­rung eines glo­ba­len Emis­si­ons­han­dels oder einer glo­ba­len Steu­er auf Schad­stoff­emis­sio­nen … dazu bei­tra­gen, den Aus­stoß an Treib­haus­ga­sen dort zu sen­ken, wo dadurch die gerings­ten volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten ent­ste­hen.

Eine natio­na­le CO2-Abga­be hin­ge­gen wäre immens teu­er. Sie wür­de den Wett­be­werb ver­zer­ren, wür­de Arbeits­plät­ze gefähr­den, wür­de für ande­re wich­ti­ge Auf­ga­ben das Geld blo­ckie­ren und wür­de zum Kli­ma­schutz qua­si kei­nen Bei­trag leis­ten. Einen sol­chen Lösungs­an­satz leh­nen wir ab.

(Bei­fall bei Abge­ord­ne­ten der CDU/CSU – Oli­ver Kri­scher (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sie wol­len also nichts tun!)

Jetzt muss man noch eins beden­ken, lie­be Frau Kol­le­gin Nest­le: Ein CO2-Beprei­sungs­sys­tem soll­te nie­mals on top gesetzt wer­den, son­dern soll­te für sich allein wir­ken. Da bin ich auch bei Ihnen. Aber dann müs­sen wir auch kon­se­quen­ter­wei­se aus allen Maß­nah­men, die ich eben genannt habe, aus­stei­gen, und dann dür­fen wir nur noch das CO2-Beprei­sungs­sys­tem haben.

Denn das wäre in der Tat tech­no­lo­gie­of­fen.

(Bei­fall bei der CDU/CSU sowie bei Abge­ord­ne­ten der FDP)

Das wäre auch ein Tech­no­lo­gie­trei­ber, und das wäre ein Markt­in­stru­ment, das für sich allein wir­ken wür­de.

(Oli­ver Kri­scher (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Dann machen Sie es doch!)

Ein CO2-Beprei­sungs­sys­tem und ein Aus­stieg aus allen Maß­nah­men, die ich eben genannt habe – dann kom­men wir sehr gern zusam­men.

(Bei­fall bei der CDU/CSU sowie bei Abge­ord­ne­ten der FDP)

Natio­na­le Allein­gän­ge sind nicht ziel­füh­rend. Sie machen die Ener­gie­wen­de teu­er und brin­gen uns nicht ans Ziel. So ist es auch mit den will­kür­li­chen Aus­bau­zie­len, die irgend­wo fest­ge­legt oder gewünscht wer­den. Wenn Wind­rä­der auf­ge­stellt wer­den, die von die­sen erzeug­te Ener­gie aber nicht genutzt wird, dann nützt das dem Kli­ma nicht. Auch da heißt es: Nur nutz­ba­re Ener­gie darf ver­gü­tet wer­den. Das Gan­ze nützt auch nichts, wenn wir den Anla­gen­zu­bau nicht mit dem Netz­aus­bau syn­chro­ni­sie­ren. Und zu den Koh­le­kraft­wer­ken: Es nützt über­haupt nichts, wenn wir sie aus­schal­ten und dann, wenn der Bedarf da ist, Koh­le­strom aus dem Aus­land bezie­hen. Das ist doch nie­man­dem zu ver­mit­teln.

(Bei­fall bei der CDU/CSU sowie bei Abge­ord­ne­ten der AfD und der FDP – Lorenz Gös­ta Beu­tin (DIE LINKE): Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat das durch­ge­rech­net!)

Inso­fern ist es doch sinn­vol­ler, Koh­le­kraft­wer­ke so zu fah­ren, dass sie netz­dien­lich sind, dass sie grund­last­fä­hig sind, sodass man die Redis­patch-Kos­ten sen­ken und die Net­ze sta­bi­li­sie­ren kann. Das ist doch viel sinn­vol­ler, als zu sagen: Wir schal­ten die Koh­le­kraft­wer­ke sofort ab.

(Lorenz Gös­ta Beu­tin (DIE LINKE): Das stimmt doch nicht!)

Noch eins, was mich immer wie­der umtreibt: der Wald. Der Wald ist der größ­te CO2-Spei­cher, und Sie ver­lan­gen, dass im Wald Wind­kraft­an­la­gen gebaut wer­den. Das ist absurd.

(Bei­fall bei Abge­ord­ne­ten der CDU/CSU und der AfD – Wider­spruch bei Abge­ord­ne­ten der SPD)

Des­we­gen sagen wir: Wir müs­sen unse­re Wäl­der schüt­zen und dür­fen dort kei­ne Wind­kraft­an­la­gen auf­bau­en.

Und dann noch eins: Die Men­schen müs­sen wir mit­neh­men. Das ist doch das Aller­wich­tigs­te. Wir müs­sen akzep­ta­ble Abstands­re­ge­lun­gen schaf­fen. Wenn wir dem Schrei­ad­ler 5 000 Meter Abstand geben, dann sind 1 500 Meter oder 2 000 Meter Abstand oder eben das Zehn­fa­che der Naben­hö­he wohl das Min­des­te, was wir den Men­schen zuge­ste­hen soll­ten.

(Bei­fall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abge­ord­ne­ten der AfD – Wider­spruch beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Mei­ne Damen und Her­ren, der Zuspruch für die Ener­gie­wen­de und die Kli­ma­po­li­tik in Deutsch­land wird nach­hal­ti­gen Scha­den neh­men, wenn wir sie nicht wie­der vom Kopf auf die Füße stel­len. Eine natio­na­le CO2-Steu­er wäre in die­sem Kon­text kon­tra­pro­duk­tiv.

(Bei­fall bei der CDU/CSU sowie bei Abge­ord­ne­ten der FDP)

Bild © Jens Koep­pen

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