Reform der Pfle­ge­be­ru­fe beschlos­sen

In Ber­lin – DRK Prenz­lau zu Besuch
27. Juni 2017
Hand­werk im Deut­schen Bun­des­tag – Bilanz im Über­blick
27. Juni 2017

Reform der Pfle­ge­be­ru­fe beschlos­sen

Der Deut­sche Bun­des­tag hat kürz­lich in 2./3. Lesung das „Gesetz zur Reform der Pfle­ge­be­ru­fe“ (Pfle­ge­be­ru­fe­re­form­ge­setz) beschlos­sen. Die bis­her im Alten­pfle­ge­ge­setz und Kran­ken­pfle­ge­ge­setz getrennt gere­gel­ten Pfle­ge­aus­bil­dun­gen wer­den in einem neu­en Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz zusam­men­ge­führt. Ziel der Reform ist es, allen Men­schen, die sich für den Pfle­ge­be­ruf inter­es­sie­ren, eine hoch­wer­ti­ge und zeit­ge­mä­ße Aus­bil­dung anzu­bie­ten, die den brei­ten beruf­li­chen Ein­satz­mög­lich­kei­ten und den Ent­wick­lun­gen in der Gesell­schaft und im Gesund­heits­we­sen Rech­nung trägt. Das Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz gilt für alle Aus­bil­dun­gen, die ab dem 1. Janu­ar 2020 begon­nen wer­den.

Durch die Reform wer­den die Aus­bil­dun­gen in der Alten­pfle­ge, der Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge sowie der Gesund­heits- und Kin­der­kran­ken­pfle­ge zu einer neu­en gene­ra­lis­ti­schen Pfle­ge­aus­bil­dung mit ein­heit­li­chem Berufs­ab­schluss als „Pfle­ge­fach­frau“ / „Pfle­ge­fach­mann“ zusam­men­ge­führt. In der neu­en soge­nann­ten „gene­ra­lis­ti­schen“ Pfle­ge­aus­bil­dung wer­den unter Berück­sich­ti­gung des pfle­ge­wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritts über­grei­fen­de pfle­ge­ri­sche Kom­pe­ten­zen zur Pfle­ge von Men­schen aller Alters­grup­pen und allen Ver­sor­gungs­be­rei­chen ver­mit­telt: in Kran­ken­häu­sern, sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und in der ambu­lan­ten Pfle­ge.

Aus­zu­bil­den­de haben jedoch auch in Zukunft wei­ter­hin die Mög­lich­keit, sich für einen geson­der­ten Berufs­ab­schluss in der Alten­pfle­ge oder Kin­der­kran­ken­pfle­ge zu ent­schei­den, wenn sie für das letz­te Aus­bil­dungs­drit­tel, statt die gene­ra­lis­ti­sche Aus­bil­dung fort­zu­set­zen, eine ent­spre­chen­de Spe­zia­li­sie­rung wäh­len.

Die zukünf­ti­gen, gene­ra­lis­tisch aus­ge­bil­de­ten Pfle­ge­fach­kräf­te wer­den in der Lage sein, in allen Berei­chen der Pfle­ge – Akut­pfle­ge, Kin­der­kran­ken­pfle­ge, sta­tio­nä­re oder ambu­lan­te Lang­zeit­pfle­ge sowie all­ge­mein-, geron­to-, kin­der- oder jugend­psych­ia­tri­sche Ver­sor­gung – tätig zu wer­den. Auch in der gene­ra­lis­ti­schen Aus­bil­dung wer­den im Rah­men der prak­ti­schen Aus­bil­dung mit der Wahl der usbil­dungs­ein­rich­tung und eines Ver­tie­fungs­ein­sat­zes in einem Bereich beson­de­re Kennt­nis­se erwor­ben. Ein Ver­tie­fungs­ein­satz ist jedoch kei­ne Bedin­gung für eine spä­te­re Berufs­tä­tig­keit in dem ent­spre­chen­den Bereich, und er schließt umge­kehrt eine spä­te­re Berufs­tä­tig­keit in einem ande­ren Pfle­ge­be­reich nicht aus. Der Bedarf für die­se geson­der­ten Abschlüs­se wird sechs Jah­re nach Beginn der neu­en Pfle­ge­aus­bil­dung über­prüft. Der Deut­sche Bun­des­tag ent­schei­det dann, ob die jewei­li­gen Rege­lun­gen auf­ge­ho­ben oder bei­be­hal­ten wer­den.

Hin­ter­grund:

Die neue gene­ra­lis­ti­sche Pfle­ge­aus­bil­dung ist eine drei­jäh­ri­ge Fach­kraft­aus­bil­dung mit Unter­richt an Pfle­ge­schu­len und prak­ti­scher Aus­bil­dung bei einer Aus­bil­dungs­ein­rich­tung und wei­te­ren Ein­rich­tun­gen aus den unter­schied­li­chen Pfle­ge­be­rei­chen. Dabei erfolgt der über­wie­gen­de Teil der prak­ti­schen Aus­bil­dung beim so genann­ten Trä­ger der prak­ti­schen Aus­bil­dung, mit dem der oder die Aus­zu­bil­den­de den Aus­bil­dungs­ver­trag schließt. Im Rah­men der prak­ti­schen Aus­bil­dung fin­den Ein­sät­ze in den ver­schie­de­nen Ver­sor­gungs­be­rei­chen statt. Die Pfle­ge­aus­bil­dung schließt mit einer staat­li­chen Abschluss­prü­fung ab. Für die Aus­zu­bil­den­den ist die beruf­li­che Pfle­ge­aus­bil­dung kos­ten­los. Das Schuld­geld wird über­all abge­schafft. Es wird eine Aus­bil­dungs­ver­gü­tung gezahlt.

Zugang zur Pfle­ge­aus­bil­dung haben alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit einer zehn­jäh­ri­gen all­ge­mei­nen Schul­bil­dung. Für Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit einem 9-jäh­ri­gen Haupt­schul­ab­schluss bie­tet die Pfle­ge­hel­fe­rin­nen- und Pfle­ge­hel­fer­aus­bil­dung bzw. Pfle­ge­as­sis­tenz­aus­bil­dung einen Ein­stieg. Bei einer Ent­schei­dung für eine dar­auf fol­gen­de wei­ter­ge­hen­de Aus­bil­dung zur Pfle­ge­fach­kraft erfolgt dann eine Anrech­nung der Ausbildungszeit.Der Zugang zum Pfle­ge­stu­di­um bestimmt sich nach den lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen zum Hoch­schul­zu­gang. Gleich­wer­ti­ge Leis­tun­gen kön­nen auf das Pfle­ge­stu­di­um ange­rech­net wer­den. Eine erfolg­reich abge­schlos­se­ne beruf­li­che Pfle­ge­aus­bil­dung soll das Pfle­ge­stu­di­um um die Hälf­te ver­kür­zen.

Ergän­zend zur beruf­li­chen Pfle­ge­aus­bil­dung wird es das berufs­qua­li­fi­zie­ren­de Pfle­ge­stu­di­um geben. Das Stu­di­um wird min­des­tens drei Jah­re dau­ern und mit der Ver­lei­hung des aka­de­mi­schen Gra­des abschlie­ßen; die staat­li­che Prü­fung zur Erlan­gung der Berufs­zu­las­sung wird Bestand­teil der hoch­schu­li­schen Prü­fung. Die Berufs­be­zeich­nung „Pfle­ge­fach­frau“ bzw. „Pfle­ge­fach­mann“ wird in Ver­bin­dung mit dem aka­de­mi­schen Grad geführt. Das Pfle­ge­stu­di­um eröff­net neue Kar­rie­re­mög­lich­kei­ten und spricht neue Ziel­grup­pen an.

Zudem ermög­licht das Pfle­ge­stu­di­um, dass das ste­tig fort­schrei­ten­de pfle­ge­wis­sen­schaft­li­che Wis­sen noch bes­ser in die Pfle­ge­pra­xis Ein­gang fin­det.

Um bun­des­weit eine wohn­ort­na­he und qua­li­täts­ge­si­cher­te Aus­bil­dung zu ermög­li­chen, ist eine ein­heit­li­che Finan­zie­rung der beruf­li­chen Pfle­ge­aus­bil­dung nach dem Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz vor­ge­se­hen, an denen alle bis­he­ri­gen Kos­ten­trä­ger auch wei­ter­hin finan­zi­ell betei­ligt sind. Durch ein Umla­ge­ver­fah­ren wird sicher­ge­stellt, dass die Ein­rich­tun­gen, die aus­bil­den in glei­c­hem­Ma­ße an der Finan­zie­rung betei­ligt sind, wie Ein­rich­tun­gen, die nicht aus­bil­den. Pfle­ge­fach­kräf­te kön­nen ohne Begren­zung der Aus­bil­dungs­zah­len zur Siche­rung der Fach­kräf­te­ba­sis in der Pfle­ge aus­ge­bil­det wer­den. Das nutzt aus­bil­den­den Ein­rich­tun­gen in der ambu­lan­ten und in der sta­tio­nä­ren Lang­zeit­pfle­ge glei­cher­ma­ßen. Neu ist, dass der Bund die Finan­zie­rung einer Fach­kom­mis­si­on und zusätz­li­cher unter­stüt­zen­der Ange­bo­te und For­schung über das Bun­des­in­sti­tut für beruf­li­che Bil­dung über­nimmt.

Bild © Jens Koep­pen

dru­cken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.