Zeitumstellung abschaffen

Zeitumstellung abschaffen

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In der vergangenen Woche hat die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag ein Positionspapier zur Neuregelung der Zeitumstellung beschlossen. Die Unionsfraktion fordert damit ein neues einheitliches Zeitregime in Europa.
Seit 2007 wurde keine offizielle Bewertung der Auswirkungen der Zeitumstellung durch die Europäische Kommission mehr vorgenommen. Der im Auftrag der Europäischen Kommission im September 2014 von der Beratungsfirma ICF International vorgelegte Bericht ‚The application of summertime in Europe‘ kam aber zu dem Ergebnis, dass uneinheitliche Sommerzeitregelungen innerhalb der EU die vernetzten Wirtschaftssektoren mit grenzüberschreitenden Aktivitäten beeinträchtigen könnten.

Wir als Unionsfraktion fordern die Europäische Kommission daher auf, einen Vorschlag zur Änderung der Richtlinie 2000/84/EG zur Regelung der Sommerzeit vorzulegen mit dem Ziel, die Zeitumstellung abzuschaffen und gleichzeitig eine Neuregelung für ein weiterhin dauerhaftes einheitliches Zeitregime in Europa zu treffen.

Die möglichen oder tatsächlichen Energieeinsparungen durch die geltende Zeitumstellung sind laut Studie ‚Bilanz der Sommerzeit‘ des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) allenfalls minimal oder sogar ganz zu vernachlässigen. Auch ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen durch die Zeitumstellung ist nicht nachzuweisen. Außerdem kann der Anpassungsprozess an die Zeitumstellung manchen Menschen gesundheitlich größere Mühe bereiten als angenommen.

Die nun erfolgte Positionierung der Unionsfraktion ist deshalb ein wichtiger Schritt und liegt auf einer Linie mit Parteitagsbeschlüssen sowohl der CDU als auch der CSU. Damit senden wir ein klares Signal nach Brüssel, in dieser Frage tätig zu werden.

Hintergrund:
Beide Unionsparteien haben Beschlüsse gefasst, die darauf abzielen, die Zeitumstellung abzuschaffen – die CDU auf ihrem Parteitag am 5. April 2014 und die CSU auf ihrem kleinen Parteitag am 16. März 2013.

Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages hatte das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) mit der Durchführung eines Projekts mit dem Titel „Bilanz der Sommerzeit“ beauftragt. Das TAB hat seinen Endbericht hierzu im Februar 2016 vorgelegt.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier: http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/berichte/TAB-Arbeitsbericht-ab165.pdf

Bild © Jens Koeppen

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2 Comments

  1. Jörg Kayser
    Jörg Kayser02-05-2017

    Es ist zwar schön und gut, wenn die Union die sog. „Zeitumstellung“ abschaffen will. Zweifellos würden damit Probleme wie ein paar Tage lang erhöhte Unfallzahlen, vorübergehender Jetlag, verbunden mit kurzfristigen Erkrankungen u. a. nicht mehr unmittelbar in Erscheinung treten. Doch viel gravierender ist, dass der Körper, wie die Chronobiologie inzwischen herausgefunden hat, nach der Umstellung Ende März sich nicht an die künstliche, nicht in unsere Zeitzone gehörende „Sommerzeit“ gewöhnen kann, da während dieser siebenmonatigen Phase die genetisch im Menschen verankerte innere Uhr, die sich nach dem Tag-Nacht-Rhythmus richtet, dauerhaft falsche Signale für ihre Nachjustierung erhält. Schlafmangel bei den meisten Menschen und daraus resultierende Krankheitsfolgen sind vorprogrammiert. Leider lassen die Unionsparteien in ihrem Positionspapier offen, welche Uhrzeit nach einer Abschaffung gelten soll, obwohl dies der eigentliche „springende Punkt“ im Zusamenhang mit einem Verzicht auf die halbjährlichen Uhrenumstellungen wäre: Würde man sich nämlich etwa dafür entscheiden, ganzjährig die „Sommerzeit“ MESZ gelten zu lassen, so würde alles noch schlimmer werden, da Menschen dann dauerhaft gegen ihre innere Uhr leben müssten. Eine Abschaffung der Zeitumstellung kann daher nur sinnvoll sein, wenn als Folge daraus in Deutschland ausschließlich die permanente Mitteleuropäische Zeit MEZ (sog. „Winterzeit“), wie sie bis 1979 Bestand hatte, wieder eingeführt würde (vgl. Nähere Details dazu z. B. bei Dr. Peter Spork, „Wake up – Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft“, Hanser 2014).

    • Jens Koeppen
      Jens Koeppen02-06-2017

      Ich gebe Ihnen uneingeschränkt recht. Diesen Standpunkt vertrete ich auch. Allerdings ist es auch ein langer Weg gewesen, bis zu diesem Positionspapier, denn die Meinung geht bei diesem Thema weit auseinander, auch in der eigenen Fraktion. Von Europa ganz zu schweigen. Wir sind zumindest die ersten, die die Debatte angestoßen haben. Der ergebnisoffene Kompromiss ist daher besser als ein Weiterso…

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