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Rede im Plenum des Deutschen Bundestages

Rede im Plenum des Deutschen Bun­destages zum The­ma “Indus­trie 4.0” .

Gern stelle ich Ihnen hier meinen Rede­beitrag  als Video und als Auszug aus dem Ple­narpro­tokoll zur Ver­fü­gung. Zum Anschauen des Videos bitte auf den Start­but­ton klick­en.

Rede im Plenum_Industrie 4.0_mit Button_13.11.2015

 

Auszug aus dem Ple­narpro­tokoll:

Jens Koep­pen (CDU/CSU):

Vie­len Dank, Frau Präsi­dentin. — Liebe Kol­legin­nen und Kol­le­gen! Als let­zter Red­ner in der Debat­te ver­suche ich, zusam­men­z­u­fassen, was bish­er gesagt wurde, und zwar nicht aus der Sicht von Bil­dung und Forschung oder der Wirtschaft, son­dern aus der Sicht des jüng­sten Auss­chuss­es im Deutschen Bun­destag, des Auss­chuss­es Dig­i­tale Agen­da.

Sehr geehrter Herr Kol­lege Janecek und Herr Kol­lege Behrens, ich bin nicht ganz so unzufrieden wie Sie. Denn mit dem Antrag wird einiges auf den Weg gebracht. Das muss man auch ehrlich zugeben.

Es wurde gesagt, dass die Dig­i­tal­isierung in alle Bere­iche des Lebens Einzug gehal­ten hat. Wir kön­nen das nicht aus­brem­sen oder aufhal­ten — das wollen wir auch gar nicht -, son­dern wir müssen es pos­i­tiv begleit­en. Das haben wir uns auch ger­ade in unserem Auss­chuss auf die Fahne geschrieben: die Chan­cendiskus­sion in der Frage, wie wir auf der einen Seite die unwahrschein­lichen Poten­ziale der Trans­for­ma­tion der dig­i­tal­en Gesellschaft heben und auf der anderen Seite auch die Risiken benen­nen und die Nachteile beseit­i­gen kön­nen.

Das ver­suchen wir auch mit diesem Antrag. Ich finde, die Zusam­me­nar­beit dazu ist außergewöhn­lich und auch sehr, sehr gut.

(Beifall bei Abge­ord­neten der CDU/CSU)

Meine Damen und Her­ren, auch beim The­ma Indus­trie 4.0 — ich denke, das ist das entschei­dende Zukun­ft­s­the­ma und die wichtig­ste Säule der Dig­i­tal­isierung ger­ade für einen Indus­tri­e­s­tandort wie Deutsch­land — müssen wir nicht nur Anschluss behal­ten, son­dern auch, wie die Min­is­terin schon gesagt hat, Vor­re­it­er sein. Das möchte ich uneingeschränkt unter­stre­ichen.

Wenn wir die gesamten Wertschöp­fung­sprozesse bei uns erhal­ten wollen, müssen wir Vor­re­it­er sein, wie es uns bish­er bei allen anderen indus­triellen Rev­o­lu­tio­nen gelun­gen ist, begin­nend mit der Dampf­mas­chine 1784 über die elek­trischen Fließbän­der, die die Massen­pro­duk­tion ermöglicht­en, knapp 100 Jahre später bis hin zur Com­put­ertech­nik, die weit­ere 100 Jahre später, in den 1970er-Jahren, mit der Robotik und anderem in die Indus­trie Einzug gehal­ten hat. Immer waren wir Vor­re­it­er, immer haben wir sehr gut mit­ge­spielt.

Jet­zt kommt Indus­trie 4.0. Das bedeutet, Smart Fac­to­ry kommt. Das bedeutet die totale Ver­net­zung, die Selb­stor­gan­i­sa­tion in der Pro­duk­tion. Men­sch, Mas­chine, Anla­gen, Logis­tik, Pro­duk­te, selb­st die Kun­den und die Geschäftspart­ner sind miteinan­der ver­net­zt. Es entste­hen ganz andere Dien­stleis­tungsmod­elle, Smart Ser­vices, weil alle miteinan­der kom­mu­nizieren und kooperieren. Ich glaube, das ist eine sehr große Chance.

Um noch ein­mal auf unsere Vor­re­it­er­rolle zurück­zukom­men: Das ist auch eine Werbe­möglichkeit für Deutsch­land; die Frau Min­is­terin hat es sehr deut­lich gesagt. Als wir im Aus­land unter­wegs waren — Sie hät­ten gerne mitkom­men kön­nen, Herr Kol­lege Janecek; aber lei­der ging das nicht -, in Japan, in Tai­wan oder in Süd­ko­rea, war bei jedem Gespräch die erste Frage: Wie sieht es aus mit Indus­trie 4.0? Ihr seid da die Vor­re­it­er. Ihr kön­nt das. Wie funk­tion­iert das? — Wir waren aber nicht ganz so eupho­risch, weil wir in Deutsch­land immer ein biss­chen zurück­hal­tend sind, die ganze Sache abstrakt sehen und erst ein­mal alles reg­ulieren müssen. Wir kon­nten nur sagen: Wir haben dem Kind einen Namen gegeben und hof­fen jet­zt alle gemein­sam, dass dieses Kind irgend­wann auch auf die Welt kommt. — In einem gebe ich Ihnen recht: Wir müssen auf­passen, dass wir nicht zu lange abwarten. Wir müssen die Rolle, die uns zugeteilt wurde, mit Leben erfüllen. Das Min­is­teri­um macht eine ganz her­vor­ra­gende Arbeit. Auch der Antrag zeigt, dass wir den Anforderun­gen gerecht wer­den kön­nen.

Ich gehe in der let­zten Minute, die ich habe, noch kurz auf den Antrag ein. Es han­delt sich um einen ganzheitlichen Ansatz. Er hat keinen Anspruch auf Voll­ständigkeit, Herr Kol­lege Gehring.

(Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Da bin ich aber froh!)

Wir fra­gen, welche Bedin­gun­gen herrschen und was wir für den Erfolg der Indus­trie 4.0 brauchen.

Wir haben gesagt: Wir brauchen inno­v­a­tive Unternehmer. — Dahin­ter kön­nen wir einen Hak­en machen; denn die haben wir in Deutsch­land. Wir haben gesagt: Wir brauchen Inno­va­tion­skraft durch entsprechen­des Kap­i­tal, nicht Ven­ture Cap­i­tal, son­dern das vorhan­dene Kap­i­tal. — Auch dahin­ter kön­nen wir einen Hak­en machen; das haben wir.

(Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Steuer­liche Forschungs­förderung!)

Ven­ture Cap­i­tal — da gebe ich Ihnen völ­lig recht — muss kom­men. Da sind wir uns einig.

(Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Steuer­liche Forschungs­förderung!)

Dann kommt ein Punkt, an dem wir noch Luft nach oben haben: der kon­tinuier­liche Aus­bau der Bre­it­band­in­fra­struk­tur und natür­lich die neue Mobil­funk­tech­nolo­gie 5G. Das müssen wir inten­siv­er ange­hen; denn ohne diese Mobil­funk­tech­nolo­gie und einen umfassenden Bre­it­ban­daus­bau wird das nicht funk­tion­ieren.

Wir brauchen die Ver­füg­barkeit von qual­i­fizierten Arbeit­skräften; dazu müssen wir mehr Mit­tel in die Aus­bil­dung und die Qual­i­fizierung steck­en. Wir brauchen eine mod­erne Ver­wal­tung, nicht die Old-Fash­ion-Ver­wal­tung, die wir jet­zt haben, um die Genehmi­gung­sprax­is zu verbessern. Wir brauchen den Abbau von bürokratis­chen Hür­den und die Abschaf­fung der Über­reg­ulierung. Das alles ist aus dem vorigen Jahrhun­dert. Da müssen wir bess­er wer­den.

(Beifall bei Abge­ord­neten der CDU/CSU)

Wir müssen auch Stan­dards definieren und sagen, welche Tech­niken belast­bar sein wer­den. — Frau Präsi­dentin, ich komme zum Schluss. Ich sehe das Sig­nal sehr wohl. — Wir wur­den immer wieder nach der IT-Sicher­heit gefragt. Manche Unternehmen haben Angst, ihre Geschäfts­ge­heimnisse in der Cloud zu ver­lieren. Darauf müssen wir Antworten geben. Wir dür­fen auch den ländlichen Raum nicht vergessen. Dort müssen wir den Aus­bau forcieren, damit die Chan­cen der neuen Tech­nolo­gien auch im ländlichen Raum wahrgenom­men wer­den kön­nen und der ländliche Raum den Anschluss nicht ver­liert. Nicht der Wan­del ist das Risiko. Wenn wir den Wan­del nicht begleit­en, dann wer­den wir den Anschluss ver­lieren. Machen wir es so, wie bei den anderen indus­triellen Rev­o­lu­tio­nen: Seien wir Vor­re­it­er.

Danke.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Bild © Jens Koep­pen

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